Ich mag u.a. gerne die Romane von Laurence Sterne. Durch die Lektüre des Tristram Shandy wurde ich sozusagen angefixt. Als Schüler lernte ich ihn - allerdings zuerst in deutscher Übersetzung von Michael Walter - in der legendären Haffmanns-Ausgabe in neun orangefarbenen Leinenbändchen kennen, die immer noch irgendwo in meinen Regalen herumsteht. Das ist über 30 Jahre her. Mittlerweile sind mir natürlich auch einige andere Texte Sternes über den Weg gelaufen. Sehr gerne mag ich die Sentimental Journey, nach der ein ganzes Zeitalter, nämlich das Zeitalter der Empfindsamkeit, benannt ist und die auch auf die deutsche Literatur einen gewissen Einfluss gehabt hat. Nachdem ich meine Ausgabe aus dem 19. Jahrhundert mit den drolligen Illustrationen von Rowlandson nach der Restaurierung wieder verkauft hatte, fand ich ich eine kleine unscheinbare Ausgabe aus dem späten 18. Jahrhundert, die in Göttingen auf Englisch gedruckt wurde. Interessant ist die Provenienz: Sie stammt offenbar aus dem Bücherschrank von Johann Georg Müller, dem Bruder des berühmten Schweizer Historikers Johannes von Müller aus Schaffhausen. Beide Brüder hielten sich einige Zeit zu Studienzwecken in Göttingen auf und einer von ihnen hat wahrscheinlich das Buch damals direkt bei der Dieterichschen Buchhandlung kaufen können. Ein schönes Beispiel dafür, wie früh Sterne in Deutschland bereits auf Englisch rezipiert wurde. Freilich gehörte Göttingen damals zum Kurfürstentum Hannover und damit irgendwie auch zum britischen Weltreich...
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