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Welches Buch lest ihr gerade?

7.424 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

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05.03.2025 um 20:46
Ich habe hier irgendwann und irgendwo mal zu Protokoll gegeben, dass ich das … drei? Mal? gelesen habe, dabei aber einen langen Abschnitt, der jedoch nicht am Anfang lag, ausgelassen habe.

Ich hatte aber immer ein Faible für eine „geschwätzige“, ausschweifende Reihe von Autoren. Begonnen im deutschsprachigen Bereich z. B. mit Jean Paul. Das Werk von Stephenson ist über weite Strecken auch extrem geschwätzig. Nur ein paar schnelle Beispiele. Man muss u. U. sehen, dass das eine Tradition ist und Intention hat, Bezüge hat. Okay, klar ist aber auch, dass man als selbstbestimmter Leser außerhalb autoritativer Strukturen 🤓 gibt es den Begriff und trifft er zu?. 🤓 nichts mitmachen muss, dass einem nicht passt.

Ich habe seit Jahren nichts als Sach- und Fachliteratur gelesen.


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05.03.2025 um 21:57
Zitat von NemonNemon schrieb:Ich hatte aber immer ein Faible für eine „geschwätzige“, ausschweifende Reihe von Autoren
:D
Ich habe geahnt, dass auf diese Vokabel ("geschwätzig") noch jemand zurück kommen wird.
Ich bin ganz deiner Meinung, dass "geschwätzig" nicht grundsätzlich gut oder schlecht ist.
Ich mag ebenfalls eine Reihe von Autoren, die man ebenso als geschwätzig bezeichnen könnte.
Aber deren Geschwätzigkeit finde ich anregend und interessant, bei Eco fand ich sie nur anstrengend und uninteressant.
Und ob man etwas interessant oder uninteressant findet, liegt natürlich am einzelnen Leser, nicht am Buch.


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09.03.2025 um 15:08
Martin Walser - Das dreizehnte Kapitel

Walser-13

Dieser Briefroman Walsers erschien 2012 und "dokumentiert" einen Brief- und Mailwechsel zwischen dem wohl über 60-jährigen Schriftsteller Basil Schlupp (Selbstcharakterisierung: "gefallsüchtig") und der wohl gut 50-jährigen Theologin Maja Schneilin. Beide sind verheiratet. Schlupp, ein Frauennarr, sieht die Theologin bei einem Empfang beim Bundespräsidenten, ist von ihr beeindruckt, findet ihre Adresse heraus und schreibt ihr einen Brief, auf den sie antwortet. Schneilin möchte den Briefwechsel mehrfach aus unterschiedlichen Gründen abbrechen, doch Schlupp stalkt sie weiter: "Sehr verehrte Frau Schneilin, dass Sie meine Briefe nicht mehr lesen, ist für mich kein Grund, Ihnen nicht mehr zu schreiben."

Beide beginnen, ihre Briefe als Monologe zu gestalten, in denen sie ihre Gemütslage und ihr Befinden ausbreiten und immer mehr über ihre jeweiligen Ehepartner preisgeben. So hat Schupps Frau, die Kinderfernsehserien produziert, immer kalte Hände und kann nicht gut Auto fahren. Selbst über Sex schreibt Schupp. Schneilins Mann ist erfolgreicher Chemiker und entwickelt mit seiner Firma hochmoderne Medikamente "nach Maß".

Walser nimmt im Verlauf der Kommunikation Schupp immer mehr raus, und als die Schneilins nach einer angeblich erfolgreichen Bauchkrebsoperation des Mannes mit dem Rad in Kanada entlang des Yukon fahren, schreibt nur noch sie. Dies sind die interessantesten Passagen dieses Romans.

Das Ende ist für eine Theologin ein überraschender Cop out. Mehrfach schreibt sie, dass ihr Mann sie fragt, ob sie überall mit ihm hingehen werde. Faktum ist, dass der Krebs nicht besiegt ist, er nur mehr eine kurze Lebensspanne vor sich hat, und sie geht gemeinsam mit ihm in den Tod.

Auch wenn manche Dialoge thematisch durchaus interessant sind, sind immer wieder Platitüden im Text. Beispiele:
  • Kinder sind Attentate der Natur
  • Alle Frauen, die ich sehe, sehe ich nackt.
  • Das Leben ist zu kurz, um schlechte Weine zu trinken.
  • Zweimal gurgeln pro Tag und abends Gymnastik.
  • Wer wenig verlangt, will wenig geben.
Der Wikipediaeintrag zu diesem Roman schlüsselt vieles in diesem Roman im Stile einer Germanistikseminararbeit auf.


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14.03.2025 um 00:40
Adolph von Menzel
Das graphische Werk
Band 1


Adolph-von-MENZEL-Das-graphische-Werk-in

Menzel war als Zeichner mindestens so gut wie als Maler.
Wikipedia: Adolph von Menzel

Eine Klapperschlange schnappt nach einen Schmetterling

IMG 156561

Die preußischen Grenadiere ziehen unter feindlichem Kanonenfeuer durch den Wald von Torgau

IMG 178863Original anzeigen (0,2 MB)


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14.03.2025 um 17:01
Ich frag mich , was ihr gegen das Foucaultsche Pendel habt. Eins meiner Lieblingsbücher. 😬


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20.03.2025 um 01:17
Dank Kindle Unlimited habe ich die Möglichkeit, neue, mir völlig unbekannte Autor:innen zu lesen. Diesmal John Nicholl einen Waliser, der Thriller schreibt, die in der Gegend im Aberstwyth und Carmarthen spielen.

https://www.goodreads.com/author/show/13795294.John_Nicholl

Gelesen habe ich folgende Bücher:

123851250Original anzeigen (0,9 MB)
She's on trial for murder… Now it’s her turn to tell her story…

The truth is that I loved James with my whole heart. We were soulmates: meant to be together forever. On the morning of our wedding, I had just found out I was carrying his child.

But it’s time to tell my side of the story. It’s time everyone knew what happened on that wedding day, on our honeymoon, and on that fateful last drive together. It’s time everyone found out about the secrets and about the threat that loomed over our marriage. It’s time everyone found out who really killed James.

And I need everyone to believe me. To believe I’m not a killer. Because if they don’t, then my baby won’t just have no father… she’ll have no mother.
Quelle: https://www.goodreads.com/book/show/123851250-the-bride

199467696Original anzeigen (0,1 MB)
As I board the plane, all I can feel is hope and excitement. One whole week away. Just me and the man I have promised to be with forever. Time to repair what has been broken. Maybe even try for another baby, and pray that this time it doesn’t end heartbreakingly. I just need to not think about what George has done. He’s my husband. And this is the holiday where we make things right. But then I realise he can’t take his eyes off the beautiful woman who’s just boarded the plane in front of me… In that moment, everything changes. And nobody is safe. A gripping, twisty, breathtaking psychological thriller that will keep you reading late into the night.
Quelle: https://www.goodreads.com/book/show/199467696-the-holiday

Was mir bei beiden aufgefallen ist:

Die Hauptcharaktere sind alle total unsympathisch und sind psychisch krank, wohl ohne das selbst zu realisieren. Am Ende ist dann mindestens eine Hauptfigur tot und eine andere dafür verantwortlich 😉.

Obwohl versucht wird, die Leser auf eine falsche Fährte zu führen, weiß man eigentlich schon von Anfang an, was gespielt wird.

Die Rezensionen auf Goodreads finde ich interessant, vor allem die negativen. Es wird die Erzählform sehr oft kritisiert, es kommen lange Monologe der einzelnen Hauptcharaktere vor in einer sich wiederholenden Art. Das wird sehr oft als schlechter Schreibstil interpretiert, aber ich habe das ganz anders empfunden, nämlich dass die Hauptcharaktere eben genauso denken, weil sie eben psychisch krank sind und auf gewisse Themen krankhaft fixiert. Das versucht der Autor damit herauszustreichen. Es wird auch kritisiert, wie unsympathisch die Hauptcharaktere sind, aber das ist ja auch der Sinn der Sache. Man soll sie nicht mögen, aber man soll auch verstehen, warum sie so sind, wie sie sind: das sind sie nämlich nicht ohne Grund. Das erfährt man im Lauf der Erzählung.

Die Geschichten sind eher tragische Geschichten psychisch kranker Menschen als Thriller, ich war eher auf morbide Art fasziniert, was sich in deren Köpfen so abspielt als von der Handlung selbst gefesselt.

Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man die Biografie des Autors liest:
Nicholl's transition to writing began after leaving a career in law enforcement and social services, where he witnessed the harsh realities of crime and its impact on victims.
[...]
In addition to his novels, Nicholl is an advocate for raising awareness about abuse and mental health issues, using his platform to address societal challenges.
Genau darum geht es auch in seinen Büchern.

Ich habe jetzt The Doctor angefangen, bin mir aber nicht sicher, ob ich wirklich lesen will, was in Kopf eines sadistischen Kindermörders vorgeht. Die ersten paar Seiten waren schon ziemlich heftig.
Fifty-eight year old Dr David Galbraith, a sadistic predatory paedophile employed as a consultant child psychiatrist, has already murdered one child in the soundproofed cellar below the South Wales Georgian town-house he shares with his wife and two young daughters.
69961806

Quelle: https://www.goodreads.com/book/show/69961806-the-doctor


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21.03.2025 um 13:39
Deutsche Literaturgeschichte (Metzler)

Deutsche Literaturgeschichte-Metzler

2019 erschien bereits die neunte Auflage dieser einbändigen Geschichte der deutschen/deutschsprachigen Literatur, wobei aus der Schweiz und Österreich nur die bedeutendsten Vertreter:innen vorgestellt werden. Grundsätzlich ist es ein Problem, 1200 Jahre Literatur auf etwa 800 Seiten Fließtext zu komprimieren. Es finden sich selbstverständlich interessante Informationen auch zur Entwicklung des Buchmarktes über die Jahrhunderte, andererseits hinterlässt die Lektüre den Eindruck einer kommentierten Bibliographie. Also: Nennung von Buchtiteln mit einer thematischen Einordnung. Für einen Überblick brauchbar, tiefgehendere Informationen finden sich aber in umfangreicheren Werken oder Spezialuntersuchungen.

Eine der für mich neuen Informationen war zum Beispiel, dass bereits im Mittelalter das Kopieren von literarischen Werken im Vergleich zu Sachliteratur, auch wenn oft religiös, einen nur geringen Teil der Handschriftenproduktion ausmachte.

Auch zum ersten Mal lese ich über die finanziellen Verhältnisse von Autoren im 18. Jahrhundert. Buchhandel gab es damals nicht, sondern Bücher wurden subskribiert und ungebunden versendet oder gar nur auf Buchmessen angeboten. Gebundene Bücher bot erstmals der Hamburger Buchhändler Perthes im Jahr 1820 an. Öffentliche Bibliotheken führten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts nur wissenschaftliche Werke, keinerlei Dichtung oder Belletristik. Viele Werke auch der Klassiker waren lange Zeit mehr oder weniger nicht erreichbar. Zumindest die Zahl der Buchhandlungen nahm ab 1820 stetig zu. Die Zahl der Leser:innen wird Anfang des 19. Jahrhunderts auf 5 % der etwa 23 Millionen Menschen umfassenden Bevölkerung geschätzt. Die Zahl der Leser ist heutzutage viel höher, wenn auch für 2013 ein Rückgang konstatiert wird, der 2018 im Börsenblatt bestätigt wird.

Die Auflagenhöhe betrug im 18. Jahrhundert bei Top-Autoren 3000 Stück, Goethe schaffte es auf eine Erstauflagenhöhe von 4000. Honorar wurde nach Bogen (= 16 Seiten) bezahlt. Von ihren Werken konnten selbst Klopstock, Wieland oder Lessing nicht leben. Nur manche Werke verkauften sich so gut, dass das Honorar etwa einem Beamtenjahresgehalt entsprach. Nur: auch diese Autoren hatten nicht jedes Jahr ein Einkommen in dieser Höhe. Wer also nicht selbst über ein Vermögen verfügen konnte, musste einen Brotberuf suchen. Der schwierigste und undankbarste war wohl der des Hofmeisters (Hauslehrers bei adeligen oder reichen bürgerlichen Familien).

Wie viele Titel wurden jährlich neu auf den Markt gebracht? 1740 waren es 755, 1800 waren es 2569 (derzeit schwankt die Anzahl zwischen 60.000 und 80.000 alleine in Deutschland).

Sehr grotesk ist diese zeitgenössische Darstellung einer Ballettszene von der Prinzentaufe in Stuttgart aus dem Jahr 1616:

BaettOriginal anzeigen (3,7 MB)


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26.03.2025 um 23:01
Sabrina Janesch - Sibir

Janesch-Sibir

2023 hat die deutsch-polnische Schriftstellerin in drei Zeitebenen die Geschichte ihres Großvaters fiktiv aus der Sicht von Leila Ambacher nachgezeichnet. Ausgangs- und Endpunkt ist die Demenz des alten Mannes, der seine Erinnerung verliert.

Die Familie des Großvaters Josef ist Opfer der "Heim ins Reich"-Kampagne der Nationalsozialisten nach dem Pakt mit der Sowjetunion. Sie wird aus dem der Sowjetunion zugeschlagenen Galizien ins Wartheland verfrachtet, von wo sie wiederum 1945 von den sowjetischen Truppen nach Kasachstan verschleppt wird. Die lange, entbehrungsreiche Zugfahrt mit vielen Todesopfern sowie das Leben in einem kargen kasachischen Dorf, in dem die Familie eingesperrt ist, wird aus der Sicht des 12-jährigen Josef geschildert. Dessen Mutter ist bei Ankunft in einem Schneesturm verschollen und nie wieder aufgetaucht. Die politischen Zusammenhänge blitzen durch, so die Verschleppung von Menschen in den Gulag, aber immer aus der beschränkten Sicht eines Kindes.

Die zweite Zeitebene spielt nach der Ankunft in der Bundesrepublik am Rand der fiktiven niedersächsischen Kleinstadt Mühlheide, wo die 1955 auf Vermittlung von Adenauer Rückgekehrte, Janesch nennt sie lieber Freigelassene, in einer Siedlung untergebracht werden und sich langsam eine Existenz haben aufbauen können, bis sie schließlich Baugrund an einem See haben erwerben können. Josef hat eine Polin geheiratet und hat sich als gut verdienender Programmierer mit BMW etablieren können. Auch diese Zeitepoche ist aus Sicht eines Kindes geschrieben, aus der Sicht von Leila. Gelungen sind die Konfrontationen der Kinder mit einem in der Siedlung wohnenden Tartter, der SS-Aufseher im KZ Bergen-Belsen war, sowie die Reibungen mit den aus Russland kommenden Wolgadeutschen in den frühen 1990er Jahren.

Am Ende des Romans packt die nun erwachsene Leila ihren dementen Großvater in ihr Auto und sie fahren wohl nach Kasachstan.

Janesch hat für diesen Roman ausführlich recherchiert und hat sowohl Galizien als auch Kasachstan bereist, um dem Herkunftsraum ihrer Familien nahe zu kommen. Die Kindperspektive hat ihren Reiz, da die phänomenologische Betrachtungsweise konsequent durchgezogen ist, auch wenn dadurch eine erwachsene historisch-politische Reflexion geopfert wird. Kompositorisch ist etwas eigenartig, dass weder Josef während der zehn Jahre in Kasachstan noch Leila in Mühlheide zu altern oder zu reifen scheinen. Der Sprung zum wohlhabenden und eleganten Programmierer wie auch zur erwachsenen Frau ist nicht nachgezeichnet.


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28.03.2025 um 00:05
Kerstin Gier - Saphirblau

Gier-Saphirblau

Dies ist der zweite Teil von Kerstin Giers Zeitreisentrilogie, und dieser plätschert nur dahin. Kontrollierte Zeitsprünge in einen Keller, Kontakt Gwendolyns mit ihrem jugendlichen Großvater und die absurden Konstellationen werden weiterhin nicht aufgelöst. Warum gibt es 12 Zeitreisenmutant:innen? Warum wird die Welt gerettet und wovor, wenn das Blut der 12 in einem Chronographen aufgenommen wird? Am Ende gibt es den Cliffhanger: Der Graf von Saint Germain hat einen Gegenspieler, Lord Alastair aus dem späten 18. Jahrhundert, der zu einer katholischen florentinischen Allianz Kontakt hat und die aus seiner Sicht zukünftigen Zeitreisenden ermorden will.

Vielleicht hat Kerstin Gier mit ihrer Fantasygeschichte auch nur das Genre aufs Korn nehmen wollen. Als Gwendolyn bei einer Soiree im 18. Jahrhundert ein Lied aus dem Musical Cats singt, sagt sie dies:
Die Leute machen mir gar nichts aus. Erstens sind sie schon seit zweihundert Jahren tot und zweitens sind doch alle supergut drauf und betrunke
Passt irgendwie zur Absurdität der ganzen Story.


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28.03.2025 um 17:09
Josef Lada
(Klassiker der Karikatur)

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IM7666G 168Original anzeigen (0,6 MB)

Ein tschechischer Zeichner und Karikaturist aus den den 20er Jahren


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28.03.2025 um 23:16
Die Hölle in Penang (Rolf Torring 12)

torring-penang

Heutzutage würde man sagen: eine neue Staffel. Mit den englischen Freunden vom Priesterabenteuer fahren Torring und Warren auf deren Yacht in die Straße von Malakka und fischen eine Flaschenpost mit einem Hilferuf einer Violette Tardon, die in Singapur entführt worden ist, aus dem Wasser. Sie folgen einem Tee-Frachtschiff in die malayische Stadt Penang (heute George Town). Dort hebeln sie einen Frauenhändlerring in einer Villa aus (inklusive Tigerattacke und folterndem Polizisten), deren Mitglieder gehängt werden.

Aber das ist nur das Intro. Violette Tardon kann ihren Bräutigam heiraten und erzählt von einem Schatz ihres Großvaters auf einer Insel im Großraum der Malakka-Straße. In einem Restaurant erzählen sie etwas zu laut davon, und als sie die Insel gefunden haben, werden sie von Europäern gejagt und überleben auf der Insel einen Todessumpf, Schlangen und einen Killer-Oktopus. Aber nachdem sie die Schatztruhe gefunden und gehoben haben, werden sie von den Lauschern aus dem Restaurant überwältigt und an Bäume gebunden. Ungut auf einer Insel mit Tigern. Cliffhanger.


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31.03.2025 um 12:44
Jack London, Der Seewolf

Die Schatzinsel wird vermutlich auf ewig mein liebster Abenteuerroman bleiben, aber der Seewolf ist und bleibt definitiv Top 5 Abenteuer


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31.03.2025 um 23:06
Aischylos - Die Schutzflehenden

Aischylos-Schutzflehende

Dieses Stück mit einer Uraufführung vermutlich im Jahr 466 v. Chr. ist vermutlich das älteste überlieferte Theaterstück des antiken Griechenland. 50 Töchter des Danaos fliehen aus Ägypten, um nicht zwangsverheiratet zu werden, nach Argos. Der dortige König Pelasgos, dem die Frauen im Aussehen sehr fremd erscheinen, lässt sie außerhalb der Stadt in einem Götterhain warten, bis die Stadtversammlung einen Entscheid trifft, ob ihnen Schutz gewährt werden soll. Besonders hat er Angst davor, in einen Krieg hineingezogen zu werden. Die Stadtversammlung entscheidet, unter Vermittlung des greisen Danaos, dass der Schutz gewährt werden soll, und so werden sie, als die ägyptischen Verfolger anlanden, in die Stadt gelassen. Damit bricht das Stück ab.

Wie sehr die Frauen anders aussehen, drückt Pelasgos so aus:
Unglaublich klingt es meinem Ohr, ihr fremden Frau'n,
Daß euer Stamm hier Argos' Blut entsprossen sei.
Denn eher gleicht ihr Frauen, die in Libya,
Nicht solchen, die in diesem Lande heimisch sind.
...
Auch gleicht ihr Inderfrauen
Dass er kein König gegen sein Volk sein will, drückt Pelasgos gegenüber den Frauen, die im Stück den Chor bilden, sehr deutlich aus, wobei er sehr modern, beinahe populistisch klingt:
Nie soll das Volk mir sagen, wenn's nicht glücklich geht:
»Den Fremdling schützend, gabest du die Deinen preis!«
Danaos hingegen tritt sehr fordernd auf:
»Wir sollen frei in diesem Lande wohnen, frei
Vor jedem Anspruch, unverletzlich aller Welt,
Und Fremde weder dürfen uns, noch Heimische,
Von hinnen führen; wird Gewalt an uns geübt,
So soll der Bürger, welcher uns nicht Hülfe leiht,
Ehrlos erklärt sein und verbannt durch Volkesschluß.«
Nicht nur formal, da der Chor nicht außerhalb der Handlung steht, sondern auch thematisch ist es ein Stück, das an Aktualität wieder gewinnt: Wie sollen Flüchtige aufgenommen werden? So sieht es auch die österreichische Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die auf Basis dieses Werks 2013 ihr Stück Die Schutzbefohlenen über die Flüchtlingspolitik Österreichs geschrieben hat.


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02.04.2025 um 20:42
The Housekeeper
Valerie Keogh

186489243
An unwelcome guest? Still in shock after the tragic death of husband Richie, Cassie Macreddin hopes that her new home, historic Hindon House, is the place where she can heal her pain and hide her secrets. But Hindon House has secrets of its own… Cassie soon realises that not everyone is pleased at her arrival and that someone is actively trying to make her leave Hindon House….but who? And why? As events escalate, Cassie must fight to save her home…and maybe even her life.
Quelle: https://www.goodreads.com/book/show/186489243-the-housekeeper

Dieses Buch war eigentlich ganz okay.

Valerie Keoghs Charaktere sind normalerweise immer sehr unsympathisch. Cassie mochte ich aber zumindest fast. 😉 Im Vergleich zu den Charakteren in den Büchern davor ist das ein Fortschritt.

Manchmal ging sie mir auf die Nerven, weil sie total unlogisch handelt und manchmal vor ihrem eigenen Schatten Angst hat und sich vor jedem Geräusch quasi in die Hosen macht. 🙄

Cassie und ihr Mann Richie hatten einen Autounfall, bei dem Richie ums Leben kam. Sie ist als Ehefrau die Begünstigte seiner hohen Lebensversicherung, und nachdem sie schon immer ein B&B eröffnen wollte, kauft sie sich ein altes, viktorianisches Haus in einem kleinen Kaff. Dieses ist aber total renovierungsbedürftig: eine schimmelige Wand wegen eines Wasserschadens und kein fließendes Wasser.

Trotzdem mietet sie sich ein Dixieklo und zieht dort ein. Cassie ist total schreckhaft und kriegt jedesmal, wenn das Licht ausgeht, einen Panikanfall. Wie will diese Frau alleine dort leben? Das Haus ist ja doch etwas abgeschieden.

Wenn in diesem Haus dauernd das Licht ausgeht, wieso kauft sie sich keine Taschenlampe oder trägt zumindest ihr Smartphone nicht immer mit sich herum?

Warum wischt sie sich nach staubiger und schweißtreibender Arbeit notdürftig mit Babytüchern ab, nachdem die kaputte Leitung repariert und der Hauptwasserhahn und die Warmwasseraufbereitung wieder eingeschaltet ist? Sie hat zwar kein Bad, aber könnte sich an der Abwasch in der Küche waschen. Selbiges gilt fürs Haare waschen - da jammert sie, dass ihre Haare dringend gewaschen werden sollten, aber macht es nicht. 🤷‍♀️ Warum zum Geier? Es gibt auch einen Wasserkocher, denn Tee und Instantkaffee macht sie sich ja auch andauernd, sie könnte also sogar ohne Warmwasser einfach das Wasser erhitzen und sich dann waschen. Wie kann man nur so unpraktisch sein und trotzdem ein B&B eröffnen wollen?

Sie spricht außerdem ständig davon, dass sie ihren Mann umgebracht habe und man weiß nicht, ob es wirklich Mord war oder einfach nur Schuldgefühle, weil sie unverletzt aus dem Auto ausgestiegen ist. Das erfährt man erst im Lauf der Geschichte. Außerdem erfährt man auch noch einiges über die Ehe von Cassie und Richie. All das ist aber letztlich völlig irrelevant.

Als dann im Haus während der Renovierungsarbeiten seltsame Dinge passieren, scheint es erst so, als würde die Geschichte sich in Richtung Horror entwickeln, aber das ist nur ein Ablenkungsmanöver.

Davon gibt es in der Geschichte recht viele. Es sind fast zu viele, was die Handlung dann unruhig und ein wenig verwirrend werden lässt. Wendungen sind schon in Ordnung, nur wirken diese hier dann schon ein bisschen zu sehr an den Haaren herbeigezogen, wenn man bedenkt, wie die Geschichte dann letztendlich endet und wer dann die Bösewichte sind. 🤷‍♀️

Einen der Bösewichte hatte ich bald entlarvt, das war vorhersehbar (nur das Motiv war nicht erkennbar, darauf gab es keine Hinweise). Dem anderen hätte ich diese Bedeutung nicht gegeben. Die Handlungsfäden laufen am Ende schön zusammen, allerdings fragt man sich, wofür dann die ganzen Nebenstränge eigentlich gut waren, weil es ja dann keinen Zusammenhang mit der Auflösung der Geschichte gibt.

Cassies Charakter ist gut ausgebaut, aber aus Daniel Cody hätte man mehr machen können. Der wurde am Ende so rasch abgewürgt, dass man sich fragte, was die Geschichte zwischen Cassie und Daniel eigentlich überhaupt sollte. Dass man einiges über die Ehe von Cassie und Richie erfährt, ist nachvollziehbar, weil man diesen Handlungsstrang für Cassies Charakterentwicklung benötigt.

Mrs Elsie Morgan ist ein interessanter Charakter, den man ruhig noch besser hätte ausbauen können. Es ist jedenfalls nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Alles in allem hat mich das Buch unterhalten.


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gestern um 23:12
Manfred Spitzer - Digitale Demenz

Spitzer-Demenz

Der streitbare Ulmer Neurobiologe Manfred Spitzer hat dieses Buch 2012 veröffentlicht, und auch wenn nun schon 13 Jahre vergangen sind, sind so manche seiner Beobachtungen auf Basis von Studien durchaus noch heute relevant.

Ausgangspunkt vieler seiner Analysen sind Studien bezüglich der Gehirnentwicklung von Kindern oder Verhaltensstudien, die sich mit Reaktionen auf vorangegangenen Input beziehen.

Erstere vergleichen die Entwicklung neuronaler Verbindungen bei Kindern auf Basis von Reiz-Inputs. Die Schlussfolgerung, die Spitzer zieht, ist, dass Inputs im realen Raum nicht durch solche im virtuellen Raum ersetzt werden können. Bildschirmlernen ermöglicht nicht die Entwicklung von Gehirnstrukturen, welche durch Kommunikation mit realen Menschen gebildet werden. Wenn also Eltern ihre eigene Kommunikation mit ihren Babys bzw. Kindern in jungem Alter durch Filme oder Smartphones ersetzen, schaden sie ihren Kindern, da der virtuelle Input nichts nutzt und gleichzeitig Zeit wegnimmt, in welcher die Kinder ihre Gehirnstrukturen, neuronalen Verbindungen entwickeln können. Disney habe bereits den Kaufpreis für "Baby-Lern-DVDs" zurückbezahlt, um heftigeren Klagen entgegenzutreten, dass nämlich durch die Verhinderung der Gehirnentwicklung bei Nutzung der Lern-DVDs, die massivst beworben wurden, im Gutglauben der Eltern auf Basis lügenhafter Werbung ein massiver Schaden angerichtet worden sei, der dazu führen kann, dass die Kinder in ihrer weiteren Entwicklung nicht fähig seien, ein Studium zu absolvieren, was eine reale Lebensgehalteinbuße von einer Million USD oder mehr zur Folge habe.

Bezüglich der zweiteren Studien konzentriert sich Spitzer zunächst auf den Grundschulbereich. Beim Schreibenlernen durch eine Tastatur fehle völlig der haptische Aspekt, der für die Gehirnentwicklung eine große Rolle spielt. Handgeschriebene Buchstaben werden im Gehirn auch mit der Bewegungsabfolge gespeichert und entwickeln dementsprechend neuronale Verbindungen. Wenn getippt wird, gibt es zwischen Fingerbewegung und Buchstaben keinen Zusammenhang. Dass dies relevant ist, zeigen Vergleichsstudien mit chinesischen Kindern, die Hunderte und Tausende unterschiedliche Schriftzeichen trainieren müssen. Auch sind unterschiedliche Aktivierungen der Gehirnhälften bezüglich der Zahlen 6-10 bei chinesischen Kindern nachzuweisen, da in China die Zahlen 1-10 mit einer Hand dargestellt werden können. Wenn nun in der Grundschule das Handschreiben und Rechnen durch eine Maschine ersetzt werde, habe dies auch Auswirkungen auf die Ausbildung neuronaler Verbindungen.

Diese Gefahr der verhinderten Entwicklung von neuronalen Verbindungen durch zu frühen Einsatz von Computern, Laptops oder Tablets vergleicht Spitzer mit Demenz. Bei Letzterer würden im Alter neuronale Verbindungen zuerst im Hippocampus, der für das Lernen zuständig ist, abbauen, bei Lernverhinderung würden diese erst gar nicht aufgebaut werden. Kinder würden mit einer Gehirnstruktur von Dementen aufwachsen. Die Ursache sei, dass der frühe Einsatz von digitalen Geräten, aber auch von Filminputs, dem Gehirn die Möglichkeit raube, wichtige Strukturen aufzubauen.

Bei Jugendlichen, deren Gehirnstrukturen bereits entwickelt sind, sieht Spitzer nun auf Basis von Studien, dass diese ihre Computer nicht dafür benutzen, wovon die Medienpädagogik träumt, sondern zum Spielen oder zur Kommunikation, aber das vornehmlich mit unbekannten "Freunden".

Dass Menschen nach Konsumation eines Filmes mit Gewaltszenen bzw. eine Gewaltspiels (Ego Shooters) langsamer reagieren, wenn sie in der Realwelt helfen sollten, sei nachgewiesen (die zitierten Studien sind beeindruckend). Für Spitzer stellt sich die Frage, wohin sich eine Kultur entwickle, welche Gewalt in Filmen und Computerspielen als Teil einer zu akzeptierenden Kultur sieht, wie es manche Medienpädagogen propagierten.

Interessant sind auch Studien, die sich mit dem Phänomen des sogenannten Multitasking auseinandersetzen. Es seien gerade die Personen, die multitasken, die bei komplexen Aufgaben schlechter abschneiden als diejenigen, die nicht multitasken.

Spitzer stellt durchaus die Frage, ob die Ergebnisse in den von ihm zitierten Studien kausal oder korrelational bedingt sind. Zum Beispiel: Sind Multitasker dümmer oder macht Multitasking dumm? Führt exzessives Spielen zu schlechteren Schulleistungen oder spielen diejenigen vermehrt, die bereits schlechte Schulleistungen aufweisen?

Die Antwort von Spitzer ist eindeutig. Da sich dies noch nicht klären lässt, sollte es eine Gesellschaft nicht darauf ankommen lassen, Lernumfelder zu schaffen, die womöglich die Gehirnentwicklung einer heranwachsenden Generation beeinträchtigt, also diese verdummen lässt.

Dieses Buch ist, wie geschrieben, 13 Jahre alt. Und was sagte der Chef des österreichischen Bildungsforschungsinstituts Franz-Josef Lackinger vor ein paar Tagen in einem Interview in der Tageszeitung Der Standard? In Österreich seien aktuell ein Viertel der Jugendlichen nicht mal mehr fähig, mit 15 Jahren einen Beruf zu ergreifen. Das sind 25 Prozent, die offenbar zu "dumm" für das Einfachste sind. "KI kann keine Fliesen legen", ist sein Wording. Deren Lebensschicksal sei: Arbeitslosigkeit.

Da kaum anzunehmen ist, dass innerhalb von 15 Jahren eine Generation biologisch/genetisch verdummt, wird wohl etwas im Erziehungs- und Bildungsbereich entgleist sein. Woran es liegen könnte, dafür bietet Spitzer Erklärungsansätze, die nicht voreilig vom Tisch gewischt werden sollten.

Und nein, Spitzer ist kein Technologie-Feind. Er sieht sehr wohl die großartigen Möglichkeiten der Computer- und Internettechnologie, nur sollte sie nicht den Profitinteressen der Spiele- und Medienindustrie überlassen werden, welche durch Werbung und Lobbyismus die Gedankenwelt der sogenannten Digital Natives prägt wie auch die Medienpädagogik als Sprachrohr zu nutzen weiß.


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