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Umgang mit Stasi - Akten

59 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: DDR, Stasi, Wende ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Umgang mit Stasi - Akten

20.02.2025 um 09:34
Guten morgen an alle hier,

Erstmal zu Thema,

Ich finde es eine Schweinerei wie mit den Akten und den Inhalten umgegangen wird. Das sind wichtige Zeugnisse einer sehr schlimmen Zeit und von Millionen von Schicksals.

Auch das so viele Informationen für andere geschwärzt werden und damit vielleicht wichtige Teile in Lebenpuzzle eines Menschen fehlen kann nicht sein.
Das Regime damals hat auf die Persönlichkeitsreche geschießen und das sollten wir heute im Namen der Aufklärung auch tun.
Man könnte es so einfach machen, das man eine Schweigepflichtsvereinbarung unterschreibt in der man erklärt, das man keine Informationen über Dritte weiter gibt und der Staat hat so ein rechtswirksammes Mittel an der Hand, bei Zuwiderhandlung.

Es kann aber nicht sein das so wie es bisher läuft die Täter von damals unter dem Deckmantel des Datenschutzes geschützt werden.

Ich will jetzt auch einsicht beantrage.
Meine Lebensgeschichte würde schon als Kind von dem DDR Regime geprägt, indem ich als Säugling meiner leiblichen Mutter weggenommen wurde und zu den Vater meiner Mutter und seiner Frau gegeben wurde. Ich kenne drei Varianten der Geschichte und würde gerne die Wahrheit erfahren.
Ich weiß das mein Schicksal auch kein Einzelfall ist und ich stehe in Kontakt mit jemandem der das gleiche widerfahren ist. Wir sind bei ziemlich angepisst und werden uns notfalls Durchklagen um die volle Wahrheit zu erfahren. Das ist eine Sache die für uns beide sehr wichtig ist.


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Umgang mit Stasi - Akten

20.02.2025 um 09:44
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Es kann aber nicht sein das so wie es bisher läuft die Täter von damals unter dem Deckmantel des Datenschutzes geschützt werden.
Vielfach geht es aber bei den geschwärzten Stellen nicht um die Täter die damit geschützt werden, sondern um die Intimsphäre anderer betroffener ausgeschnüffelter Personen.
Das ist schon ein bisschen kniffelig finde ich dann alles frei zu geben.
Die jetzige Lösung ist allerdings absolut unbefriedigend, das ist klar.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Ich kenne drei Varianten der Geschichte und würde gerne die Wahrheit erfahren.
Ich weiß das mein Schicksal auch kein Einzelfall ist und ich stehe in Kontakt mit jemandem der das gleiche widerfahren ist. Wir sind bei ziemlich angepisst und werden uns notfalls Durchklagen um die volle Wahrheit zu erfahren. Das ist eine Sache die für uns beide sehr wichtig ist.
Das kann ich total nachvollziehen, dass dir das wichtig ist aufzuklären.
Gibt es für dein Anliegen nicht irgendwelche Anlauf- und Beratungsstellen?
Ich habe das auch schon gelesen, dass das absolut kein Einzelfall ist und dass es auch jede Menge illegale Adoptionen gab. Da sollte sich doch über die Jahre eine Unterstützungs- und/oder Selbsthilfenetzwerk gebildet haben.
Ich glaube aber auch, wenn ich mich richtig erinnere, dass da vieles vertuscht wurde und Jugendamtsakten vernichtet wurden etc. Ich kann dazu leider keine Quelle mehr verlinken weil ich mich überhaupt nicht erinnere wo ich das gelesen habe. Aber vermutlich weißt du darüber ohnehin sehr viel mehr als ich


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Umgang mit Stasi - Akten

20.02.2025 um 10:18
Zitat von ZaunköniginZaunkönigin schrieb:Vielfach geht es aber bei den geschwärzten Stellen nicht um die Täter die damit geschützt werden, sondern um die Intimsphäre anderer betroffener ausgeschnüffelter Personen.
Ja das ist mir ja schon klar und deswegen die Idee mit der Schweigepflichtsvereinbarung.
Aber das sind alles puzzleteile die dann fehlen.
Zitat von ZaunköniginZaunkönigin schrieb:Gibt es für dein Anliegen nicht irgendwelche Anlauf- und Beratungsstellen?
Kein Plan,

Ich befinde mich seit Ende letzten Jahres in Therapie und erst dadurch wurde das Thema wieder interessant und brisant für mich.
Aber mal nach sowas zu suchen wäre eine Idee.


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20.02.2025 um 10:24
@BerlinerLuft
Ich habe gerade mal kurz geschaut, weil mich das auch interessiert.

Ich habe das hier gefunden. Ich weiß nicht ob das genau deine Situation trifft, aber vielleicht könnte das trotzdem hilfreich sein.

https://zwangsadoptierte-kinder.de/


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20.02.2025 um 10:29
@Zaunkönigin
Dankeschön für den Tipp.


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20.02.2025 um 11:31
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Das Regime damals hat auf die Persönlichkeitsreche geschießen und das sollten wir heute im Namen der Aufklärung auch tun.
Hältst Du es wirklich für eine gute Idee, das Unrecht einer Diktatur erneut zu begehen? Genau solche Dinge unterscheiden uns von solchen Systemen.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Man könnte es so einfach machen, das man eine Schweigepflichtsvereinbarung unterschreibt in der man erklärt, das man keine Informationen über Dritte weiter gibt und der Staat hat so ein rechtswirksammes Mittel an der Hand, bei Zuwiderhandlung.
Das ändert aber nichts daran, dass Menschen Dinge über einen erfahren, die privat sind. Ich möchte nicht, dass mein Nachbar erfährt, wenn ich z.B. Alkoholiker war, meine Frau betrogen oder bizarre sexuelle Vorlieben habe. Da ist einfach mein Recht auf Privatsphäre sehr viel höher anzusiedeln als das Recht meines Nachbarn auf vollständigen Einblick in seine Akte.
Es ist doch sehr gut, wenn Persönlichkeitsrechte gegen das (völlig berechtigte) Informationsinteresse abgewogen werden. Genau das zeichnet einen Rechtsstaat aus.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Es kann aber nicht sein das so wie es bisher läuft die Täter von damals unter dem Deckmantel des Datenschutzes geschützt werden.
Selbst wenn es Täter von damals betrifft (was erst mal nur ein Teil der Möglichkeiten ist), dann gelten auch hier die üblichen Regeln des Rechtstaates. Vielleicht möchtest Du gerne wissen, ob in Deiner Nachbarschaft einer wohnt, der früher in Häuser eingebrochen ist (als Beispiel). Dein Interesse daran ist sicherlich berechtigt, aber eine lebenslange Stigmatisierung ist eben auch keine gute Sache.
Das ist nicht leicht zu akzeptieren, die Täter damals haben viel Schuld auf sich geladen und gerade in einem familiären oder freundschaftlichen Umfeld bespitzelt worden zu sein, ist besonders schmerzhaft für die Überwachten.

Aber in Bereichen, in denen unterschiedliche moralische Erwägungen kollidieren, muss man Entscheidungen treffen. das ist für diejenigen, die davon negativ betroffen sind, immer schwer.
Ich tröste mich damit (außer dass es lange her ist) damit, dass diese Leute vermutlich auch ihr moralisches Päckchen tragen. Und in vielen Fällen das damals auch nicht freiwillig und aus Bosheit getan haben, sondern durch ein perfides System dazu gebracht wurden.

Es ist relativ leicht, von Menschen moralische Aufrichtigkeit auch unter sehr schweren Umständen zu fordern, solange man selbst diese Entscheidung nicht treffen musste. Aber ich kenne Fälle, in denen die Leute einfach erpresst wurden - sei es mit der Drohung, ihnen die Kinder weg zu nehmen oder auch anderen, empfindlichen Übeln.
Und manche Menschen sind einfach in das System hineingewachsen. Wenn die häusliche Normalität so gestaltet ist, kommt man nicht einfach davon weg. Das war im Dritten Reich bei der HJ und dem BDM genau so wie in der DDR bei den Pionieren und der FDJ.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Meine Lebensgeschichte würde schon als Kind von dem DDR Regime geprägt, indem ich als Säugling meiner leiblichen Mutter weggenommen wurde und zu den Vater meiner Mutter und seiner Frau gegeben wurde. Ich kenne drei Varianten der Geschichte und würde gerne die Wahrheit erfahren.
Ich weiß das mein Schicksal auch kein Einzelfall ist und ich stehe in Kontakt mit jemandem der das gleiche widerfahren ist. Wir sind bei ziemlich angepisst und werden uns notfalls Durchklagen um die volle Wahrheit zu erfahren. Das ist eine Sache die für uns beide sehr wichtig ist.
Das ist auch eine sehr berechtigter Wunsch. Und genau dafür gibt es den Rechtsweg, um die jeweiligen Gewichtungen in einem konkreten Fall bestmöglich abzuwägen. Die Behörde wird im Zweifel eher vorsichtiger sein. Wenn Du hier den Eindruck hast, mehr Recht zu haben, steht Dir ja zum Glück der Rechtsweg offen.

Ich drücke Dir jedenfalls die Daumen.


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Umgang mit Stasi - Akten

20.02.2025 um 11:52
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Das ändert aber nichts daran, dass Menschen Dinge über einen erfahren, die privat sind. Ich möchte nicht, dass mein Nachbar erfährt, wenn ich z.B. Alkoholiker war, meine Frau betrogen oder bizarre sexuelle Vorlieben habe. Da ist einfach mein Recht auf Privatsphäre sehr viel höher anzusiedeln als das Recht meines Nachbarn auf vollständigen Einblick in seine Akte.
Und ich sehe das so das diese Informationen mit ein Teil meiner Lebensgeschichte widerspiegeln und darum wiegt das Recht auf Aufklärung mehr als irgendwelche Personlichkeitsrechte.

Ja ich bin stark emotional involviert und ich sehe das recht auf Aufklärung meiner persönlichen Geschichte höher als das Personlichkeitsrecht von Dritten.
Der Vorschlag mit der Schweigepflichtsvereinbarung soll ja ein rechtlichen Kompromiss darstellen.


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Umgang mit Stasi - Akten

20.02.2025 um 12:20
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Und ich sehe das so das diese Informationen mit ein Teil meiner Lebensgeschichte widerspiegeln und darum wiegt das Recht auf Aufklärung mehr als irgendwelche Personlichkeitsrechte.
Natürlich wird jeder Betroffene seine jeweiligen Rechte höher bewerten. Dafür gibt es dann "qualifizierte Dritte", die nach Möglichkeit da einen objektiv guten Kompromiss finden.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Der Vorschlag mit der Schweigepflichtsvereinbarung soll ja ein rechtlichen Kompromiss darstellen.
Was wäre denn die Konsequenz, wenn Du diese Schweigepflicht brichst? Und wie würde ich z.B. erfahren, wenn Du mit Deinen Freunden über meine bizarren sexuellen Vorlieben sprichst und ich einfach nur plötzlich gemieden würde?

Wie gesagt, ich möchte Dir keinesfalls Dein gutes Recht absprechen, möglichst viel über Deine Vergangenheit zu erfahren. Solche Dinge sind eine unglaubliche Sauerei. Ich drücke Dir wirklich aus ganzem Herzen die Daumen.

Aber es gehört mit dazu, dass man auch die andere Seite betrachtet. Und mir persönlich fällt es leichter, dann die Ungerechtigkeit zu akzeptieren. Du wirst niemals eine vollständige Wiedergutmachung erhalten. Wir sollten daher für uns Strategien entwickeln, damit leben zu können. Und da hat jeder seine eigenen Wege.
Ich persönlich denke nur, dass ein zu großes Beharren auf Dingen, die man nicht bekommt, zu mehr Leid führen und es manchmal das geringere Übel ist, mit einer Sache abzuschließen. Und dabei kann es helfen, die Gründe zu verstehen, warum man etwas nicht bekommt. Aber das betrifft nur mich und meine Situation. Wie das bei Dir ist, musst Du entscheiden.


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Umgang mit Stasi - Akten

21.02.2025 um 06:27
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Ich will jetzt auch einsicht beantrage
Das ist verständlich und ich würde an Deiner Stelle
nicht mehr lange warten, denn die Bearbeitungszeit kann nach wie vor Monate bis Jahre dauern.
Alles Gute für Dich!


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Umgang mit Stasi - Akten

21.02.2025 um 10:38
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Das ändert aber nichts daran, dass Menschen Dinge über einen erfahren, die privat sind. Ich möchte nicht, dass mein Nachbar erfährt, wenn ich z.B. Alkoholiker war, meine Frau betrogen oder bizarre sexuelle Vorlieben habe. Da ist einfach mein Recht auf Privatsphäre sehr viel höher anzusiedeln als das Recht meines Nachbarn auf vollständigen Einblick in seine Akte.
Es würde doch reichen, wenn Opfer in den Akten geschwärzt sind.


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Umgang mit Stasi - Akten

21.02.2025 um 13:10
Zitat von behind_eyesbehind_eyes schrieb:Es würde doch reichen, wenn Opfer in den Akten geschwärzt sind.
Das hängt letztlich von den Umständen ab. Wenn man aus dem Kontext konkrete Rückschlüsse ziehen kann, ist halt der ganze Bereich das Problem.


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Umgang mit Stasi - Akten

23.02.2025 um 07:51
Habe letzten Mai Antrag gestellt und schon relativ schnell Bescheid bekommen, dass ich keine eigene Akte habe.
Da ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ich auch in anderen Akten suchen lassen kann, habe ich meinen Vater und meinen Bruder mit angegeben.
Mein Bruder hat auf jeden Fall eine, er ist da auch nie drüber weggekommen, was er da las. Dass er bespitzelt wurde, wusste er (und wir als Familie) relativ früh, aber das Ausmaß war ihm nicht bewusst.
Weil ein IM unsere gemeinsame Lehrerin/tw. Klassenlehrerin (mit 10 Jahren Unterschied, aber gleiche Schule) war, könnte da auch was zu mir gestanden haben.
Mein Bruder hat nie viel darüber gesprochen, er meinte damals (Ende der 1990er/Anfang 2000er) aber schon, dass ich auch Ensicht beantragen sollte.
Habe es lange vor mir her geschoben... na ja.

Ob mein Vater eine hatte, weiß ich (noch) nicht, aber da würde mich ganz besonders interessieren, ob ich da auch vorkomme.
Wegen dem ganzen Mist aus meiner Kindheit.

Mein Vater war "speziell" in seiner Entwicklung und als Typ sowieso, und er hat nicht gerne über seine Vergangenheit geredet.
(Aber ohne Scheu die Tätowierung "gezeigt", die er seit 1945 hatte, er ist gleicher Jahrgang wie Günter Grass.... wie gesagt, er hat nie wirklich drüber geredet.)
War dann auch in SED (als einziger in meiner Herkunftsfamile) und ab 1959 schwerbeschädigt, er war einer der überlebenden Schwerverletzten der Kesselexplosion vom 24.07.59 im KW Espenhain.
Wenn mein Vater nicht selbst betroffen gewesen wäre, hätten wir evtl. nie was gehört von dem Unglück... Wurde ja gerne verschwiegen sowas, oder zumindest runtergespielt (es gab 13 Tote, ich glaube, das wusste selbst mein Vater lange nicht, obwohl er im Betrieb beschäftigt blieb..)
Er ist dem Betrieb dann treu geblieben und wurde Stenotypist im Büro. In diesem imho architektonisch schönem Verwaltungsgebäude.(steht noch immer).

In meiner Kindheit und frühen Jugend (ich war auch erst 22 beim Mauerfall) hatte ich immer irgendwie das Gefühl, mein Vater kann sich recht viel erlauben. Ohne Konsequenzen.


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Umgang mit Stasi - Akten

23.02.2025 um 08:12
Achso. Von unserer Außenstelle und das ist meines Wissens die 2. umfangreichste nach Berlin, was die Stasi- Unterlagen in Menge betrifft, ist mir noch nicht zu Ohren gekommen, dass da aus Platzmangel Akten vernichtet werden sollen.

Ist auch besuchbar zur Museumsnacht.
Zu der habe ich letztes Jahr auch den Antrag gestellt.
Mit sehr vielen anderen Menschen. War so eine Aktion zum 35. Jahr der Montagsdemos.


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Umgang mit Stasi - Akten

11.03.2025 um 21:23
Zitat von BundeskanzleriBundeskanzleri schrieb am 10.02.2025:Allerdings hier ein Zeit- Artikel:
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2025-02/stasi-unterlagen-archiv-bundesarchiv-verluste-platzmangel
Das Bundesarchiv hat wegen Platzmangel vor einem Verlust von Stasi-Unterlagen gewarnt. "Wir haben unsere Kapazitätsgrenzen erreicht", sagte Präsident Michael Hollmann der Nachrichtenagentur KNA. Das Bundesarchiv benötige dringend zusätzlichen Magazinraum.
Also liegt es am Platz, dass diese Akten eventuell verloren gehen.
Wenn jede Akte ein Goldbarren wäre, gäbe es dann auch Platzprobleme? ... ich frag ja nur ...
Zitat von azazeelazazeel schrieb am 20.02.2025:Die DDR war einfach ein diktatorisches System, das nun manchmal von manchen Leuten verklärt wird.
Ja, was für eine verklärte Welt.
Wie und woran machst du denn eine verklärte Darstellung bezügl. der DDR fest? Du hattest das ja auch schon im DDR-BRD Thread - in dem ich dir auch noch antworten möchte - beklagt. Hast du hier aus dem Forum ein Beispiel?

Ich denke, jeder hat da seine Sichtweise. Die einen trauern dem Arbeiter- und Bauernstaat heute noch nach und andere wollten einfach nur raus. Jeder geht anders damit um und obwohl ein Land, sind die Menschen völlig unterschiedlich aufgewachsen. Da hat jeder seine Perspektive, ohne damit geschichtlichen Hintergrund zu ändern.

Manche Menschen schildern die DDR analytisch, nüchtern, als System, wie es war.
Ich aber schreibe hier als Zeitzeuge, da geht es darum, nicht das zu erzählen, was in den Geschichtsbüchern steht oder Google, KI etc. wiedergeben, sondern vielmehr um das Erlebte, Bilder, Emotionen, mein Empfinden von damals. Aber ich lasse das. Dachte ich anfangs, ich finde Gleichgesinnte, Leute, die ebenfalls mit der Stasi zu tun hatten oder einen Austausch über das, was sie erlebt haben. Naja, falsch gedacht. Wäre ohnehin offtopic gewesen ;)

Achso, falls noch jemand unschlüssig ist, ob Akteneinsicht beantragt wird oder nicht:
Mit der Akte in der Hand erlebst du eine emotionale Zeitreise, das geht hoch und runter, plötzlich waren Zufälle keine Zufälle mehr, du assoziierst Orte, Zeit, Begegnungen, Gespräche von denen du dachtest, das war nur zufälliges, belangloses Gedöns.
Dazu die anonymisierten Textblöcke, du wirst neugierig, unzufrieden, hast hundert Fragen im Kopf auf die du wahrscheinlich nie eine Antwort erhalten wirst.
Und am Ende stehst du da mit verblassten Narben, wieder aufgerissen.

Ich will gerne den Deckel drauf machen. Fertig. Aus!
Ich will meine Ruhe haben und nicht auf die letzten Meter meines Lebens an Stasi, DDR etc. denken und noch zusätzlichen Stress haben.
Und der Umstand, dass das alles zwar schon gut fünfunddreißig Jahre her ist, aber immer noch nicht lange genug, so dass hier (natürlich nur rein theoretisch) ehemalige MfS-Mitarbeiter lesen und kommentieren könn(t)en ... Die haben sich ja nicht über Nacht in Luft aufgelöst.
Danke, nein!


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Umgang mit Stasi - Akten

12.03.2025 um 12:16
Wen das Thema interessiert, kann ich das Stasi Unterlagen Archiv in Berlin empfehlen:

https://www.bundesarchiv.de/stasi-unterlagen-archiv/

Hier kann man als Besucher viele Akten einsehen und auch einiges zur Stasigeschichte lernen.


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Umgang mit Stasi - Akten

13.03.2025 um 11:44
Zitat von M1ndCon7rolM1ndCon7rol schrieb:Hier kann man als Besucher viele Akten einsehen und auch einiges zur Stasigeschichte lernen.
Ich hab mal den Link angeklickt und mir die Fotos aus dem Stasi Unterlagen Archiv angesehen.#

Eine gewisse Paranoia kann man den früheren "Mitarbeiten" dort aber nicht absprechen!


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Umgang mit Stasi - Akten

29.03.2025 um 16:21
Zitat von M1ndCon7rolM1ndCon7rol schrieb am 12.03.2025:Wen das Thema interessiert, kann ich das Stasi Unterlagen Archiv in Berlin empfehlen:
Leipzig ist ebenfalls empfehlenswert.

Wir haben aber auch ein Problem.
Seit einiger Zeit häuft sich Kritik an der Aufmachung der Ausstellung, die seit nahezu 30 Jahren fast unverändert zu sehen ist und modernen gedenkstättenpädagogischen Anforderungen nicht gerecht werde. Aufgrund dessen stellten im Herbst 2019 mehrere ehemalige DDR-Oppositionelle und die Politikerinnen Gesine Oltmanns und Monika Lazar von Bündnis 90/Die Grünen Mitgliedsanträge, um sich im Verein engagieren zu können, jedoch wurden sämtliche Anträge ohne Begründung abgelehnt. Daraufhin wurde in einem offenen Brief Aufklärung gefordert.[1] Auch die Stadt Leipzig sieht die Aufmachung der Ausstellung nach der Erstellung eines Gutachtens als nicht mehr zeitgemäß an und behielt, wegen nicht erfüllter Bedingungen, wie der sachgemäßen Präsentierung und Konservierung der Ausstellungsstücke, Fördermittel ein. Der Verein reichte daraufhin beim Verwaltungsgericht Klage ein.[2]
Quelle: Wikipedia: Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“

Aber wie gesagt, Stasiunterlagenarchiv ist da auch.

https://www.bundesarchiv.de/das-bundesarchiv/standorte/leipzig/


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29.03.2025 um 16:29
@Taurus66

Ich könnte schon etwas mitreden, bin aber nur, so viel ich bisher weiß, indirekt betroffen. Mein Bruder war der Bespitzelte.

Und dem ging es wie dir beim Lesen seiner Akte und danach....
Kam nie drüber weg und ist 2015 bereits relativ früh im Alter (mit 59), verstorben. Plötzlich im Schlaf. (Hatte aber nie 100% ausdiagnosdizierten Herzfehler.)


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Umgang mit Stasi - Akten

30.03.2025 um 09:51
@IamSherlocked
Das tut mir leid mit deinem Bruder.
Zitat von IamSherlockedIamSherlocked schrieb:indirekt betroffe
Dann wirst du, als direkter Verwandter, in der Akte sicherlich erwähnt. Das Umfeld wurde ja ebenfalls durchleuchtet. Ist da jemand, der Stimmung gegen das Land macht - und machen da Bekannte und Verwandte so nach und nach mit - Aufwiegelung - oder hält der Betreffende die Füße still?

Ich habe die Füße still gehalten, war trotzdem Sanktionen und Schikanen ausgesetzt. In Arbeit und Hobby bekam ich das schon zu spüren. Als es dann direkt gegen meine Mutter ging, habe ich den Ausreiseantrag zurückgezogen.
Die Zusicherung, dass meine Akte mit allen Einträgen vernichtet, ich nun wie ein unbescholtener DDR-Bürger weiter leben könne, erwies sich als Lüge. Dies hatte ich aber noch zu DDR-Zeiten feststellen dürfen, nicht erst nach dem Mauerfall.


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