Gast009 schrieb:Und wenn man Kinder auf der Straße vorbeiflitzen sieht und nur einen kurzen Blick darauf wirft, wie es wohl im Fall Emile gewesen ist
Vor allem, wenn man kurze Zeit später hört, dass dieser sich selbständig gemacht haben muss und verloren gegangen ist. Dann könnte sich die Erinnerung unbewusst nachträglich verfälschen und man glaubt vielleicht, in der Hoffnung, helfen zu können, dass man ihn gerade gesehen hat, auch wenn das ein anderes Kind war.
Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass zumindest der junge männliche Zeuge nicht auf die Kleidung des Kindes geachtet hat.
Man weiß heute, dass Erinnerungen, auch von Zeugen, keineswegs statisch oder gar korrekt sind, auch wenn der Betreffende das selber denkt. Stattdessen passen Erinnerungen sich den Erfordernissen oder neuen Gegebenheiten an oder auch dem, was nicht mehr gewusst, aber für wahrscheinlich gehalten wird. Fragt zum Beispiel der Polizist: "Hatte der Junge ein gelbes T-Shirt an?", dann wird vielleicht aus: "Ich weiß es nicht mehr" ein "Kann sein", dann ein innerliches: "müsste wohl so gewesen sein", dann ein "ich glaube schon" und schließlich ein überzeugtes "ja", obwohl "ich weiß es nicht mehr" die richtige Antwort gewesen wäre.