Der Mensch Jens Söring
23.12.2019 um 00:505. bis 8. Juni 1986, 7 Vernehmungen über insgesamt 17 Stunden.parallax schrieb:Wann genau war denn das erste Geständnis von Jens Söring? Hat jemand das Datum?
5. bis 8. Juni 1986, 7 Vernehmungen über insgesamt 17 Stunden.parallax schrieb:Wann genau war denn das erste Geständnis von Jens Söring? Hat jemand das Datum?
Wenn sich Burton nicht sicher wäre, stände das doch in ihrem Bericht oder? Woher hast Du diese Info? Wenn Du davon ausgehst, dass das Handtuch vor der Waschmaschine hängt oder auf der Arbeitsplatte liegt und das ist, welches Spur "38K" trägt wäre es genauso noch offensichtlicher nah an der Leiche.Mr.Stielz schrieb:Bei dem Tropfen der Blutgruppe "B" auf dem "feuchten" Lappen in der "offenen" Waschmaschine neben der Mutter verhält es sich so, dass die Serologin Burton nicht einmal sicher bestimmen konnte, ob es sich wirklich um Elizabeth Haysoms Blutgruppe B handelt. Möglich sei auch die Blutgruppe AB der Mutter, durch den Luminoltest degeneriert, wie sie in Sörings Prozess aussagte, Für die Feuchtigkeit des Lappens gibt es außer Söring keinen Beleg, und die "offene" Waschmaschine war geschlossen und sauber mit einem Küchentuch abgedeckt. Dazu gibt es sogar ein Tatortphoto, noch mit davorliegender Leiche.
Das interessante an dem Sockenabdruck ist doch - und das wird gerne übersehen! -, dass just dieser Abdruck mit Täterwissen Sörings einher geht, hatte dieser doch gestanden, in das Haus der Haysoms zurück gekehrt zu sein um die Außenbeleuchtung auszuschalten und auf Socken unterwegs war um keine Schuhabdrücke zu hinterlassen.Seps13 schrieb:Hatten wir hier alles schon.
Der Fußabdruck passt hervorragend. Du lässt dich blenden von der Söringschen Falschdarstellung.
Guck dir die Bilder 88, 92 und 101 an und diesen Beitrag:
Beitrag von Marpelina, Seite 987
Quelle zum Tropfen Blut in der Waschmaschine ist der englische Söring-Blog: The Truth about True Crime with Amanda Knox: Killing for Love, Part 2. Als Originalquelle werden die Prozessprotokolle angegeben:cosmostreamer schrieb:Wenn sich Burton nicht sicher wäre, stände das doch in ihrem Bericht oder? Woher hast Du diese Info?
(Transcript, beginning at page 163, 12 June 1990.)
Davon gehe ich nicht aus, denn Burtons Liste von Tatortspuren (Archiv-Version vom 28.11.2019) spricht von einem "stained wash rug", einem fleckigen Waschlappen, und an anderer Stelle hieß es eindeutig "in der Waschmaschine". Das Küchentuch, mit dem die Waschmaschine abgedeckt ist, kommt als Spurenträger also nicht in Betracht.cosmostreamer schrieb:Wenn Du davon ausgehst, dass das Handtuch vor der Waschmaschine hängt oder auf der Arbeitsplatte liegt und das ist, welches Spur "38K" trägt wäre es genauso noch offensichtlicher nah an der Leiche.
Na "sauber abgedeckt" hört sich für mich nach Täterverdeckung an und das könnte ja genauso passen. Ich würde einfach nicht den Ansatz fahren, Sörings Verteidungsstrategie in Bezug auf Wahrheitsfindung heranzuziehen, da wie Du schon richtig sagst "insofern nicht mit eigenen Augen gesehen"....Mr.Stielz schrieb:sauber abgedeckten Waschmaschine stellt sich natürlich die Frage der Tatrelevanz.
Wirklich? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Milchbubi so einen bestialischen Mord begeht? Mit gewisser Lebenserfahrung ist die Antwort einfach: nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Das ist, das war und das wird wohl immer der Hauptentlastungspunkt für Jens sein. Der Junge war ein Nerd, ein Bürostuhldurchsitzer, ein Boheme, der war hin und weg, dass er mit einer jungen Frau poppen durfte. Seine Geschichte macht einfach Sinn, sie entspricht dem, was man bei so einem Jungen erwartet. Und gute Beweise gegen ihn gab es nie. Und dann ist da noch eine ziemlich abgefahrene Persönlichkeit (EH), deren Drogenkonsum und Historie (Tramp in Europa) es viel wahrscheinlicher erscheinen lassen, dass sie aktiv involviert war. Nur einer von beiden war zur Tatzeit am Tatort (wenn wir nicht den ganzen Fall umkrempeln wollen)...wer macht mehr Sinn? Da gibt's nicht viel zu überlegen. Natürlich reden wir hier von Wahrscheinlichkeiten, basierend auf allgemeinen Lebenserfahrungen, daraus folgt nichts zwingend, aber nachvollziehbar sollte es allemal sein, dass einige Söring für unschuldig halten.Rick_Blaine schrieb:Die fanatische Ausblendung der Realität und die schon einer Verehrung nahekommende mantraartige Beschwörung seiner Unschuld nach fast 1200 Seiten... ich kann es nicht nachvollziehen.
Vieles, was Söring schilderte, ist abwegig.parallax schrieb:Das ist sicherlich kreativ gedacht, sachlich aber ziemlich abwegig.
Wie wahrscheinlich ist es, das jemand mehrfach einen Mord (ohne Alibi) gesteht?Pippen schrieb:Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Milchbubi so einen bestialischen Mord begeht? Mit gewisser Lebenserfahrung ist die Antwort einfach: nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich.
Durchaus nicht unwahrscheinlich. Es wird leider übersehen, wie oft Selbstbezichtigungen vorkommen, um Andere zu decken.borabora schrieb:Wie wahrscheinlich ist es, das jemand mehrfach einen Mord (ohne Alibi) gesteht?
Dazu selbst noch genügend Indizien liefert?
Das ist wirklich noch das "beste" Entlastungsargument. Denn es haben schon genug Milchbubis gemordet.Pippen schrieb:Milchbubi
...
Das ist, das war und das wird wohl immer der Hauptentlastungspunkt für Jens sein.
Das ist eben schlicht falsch. Leute wie Söring morden praktisch nie, das sind in der überwältigenden Mehrheit Leute, die bereits gewalttätig auffällig waren. Natürlich gibt es solche Fälle, aber sie stehen in keinem Verhältnis zu Masse. Auch hier wieder Wahrscheinlichkeitstheorie: ja, es gibt 6er im Lotto, aber viel mehr von jenen, die keinen 6er tippen. Was würde man also vernünftigerweise raten, wenn man gefragt würde, ob eine Person A einen 6er tippte oder nicht? Yo....Mr.Stielz schrieb:Denn es haben schon genug Milchbubis gemordet.
Wie viele 19 Jahre alte Mörder sind denn die "überwältigende Mehrheit" am Ende ? in den USA sind vor allem Gangs das Problem. Da sind die Jungs ziemlich gewalttätig, gößtenteils drogenabhängig und fangen schon als Teenie an. Daher kommt die frühzeitige Gewaltbereitschaft bei der Mehrheit der Mörder unter 20. JS hatte aber damit keine Berührungspunkte. Geld war nie das Problem, Gangs waren weit von him weg, er hatte beste Voraussetzungen. Der Grund warum er tötete war die grundsätzliche Bereitschaft, alles zu tun, um die fast schon -für einen Nerd wie ihn- unwirkliche Beziehung zu einer attraktiven, erfahrenen Frau zu erhalten, die sich aus -für ihn und sicher auch andere Typen- kaum nachvollziehbaren Gründen tatsächlich für den Nerd als Freund/Partner entschieden hatte. JS ist in meinen Augen keiner der aus einer perversen Neigung heraus mordet. Grund für Morde gab es sonst in seinem heilen Umfeld nicht. Warum hätte er also schon zuvor auffallen sollen ? Ohne EH wäre er mutmaßlich nie zum Mörder geworden, auch wenn er einen ziemlich verkorksten Charakter hat und zweifelsohne bereit ist, über Leichen zu gehen. Doch es brauchte dafür eine bestimmte Konstellation. Bei ihm war es die Beziehung zu EH und die Probleme mit deren Eltern. Weil er der Nerd war mußte er den ultimativen, heldenhaften Liebesbeweis bringen und für EH zum Mörder werden. Er wollte quasi vom Nerd zum Helden werden, damit diese Beziehung auf ewig halten mag. So einfach ist das. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass aktuell kaum eine Gefahr von ihm ausgeht. Er hat den Beweis ja schon erbracht. Eine ähnliche Beziehung wird es mutmaßlich nicht mehr geben und andere Beweggründe zu morden hat er nicht.Pippen schrieb:Das ist eben schlicht falsch. Leute wie Söring morden praktisch nie, das sind in der überwältigenden Mehrheit Leute, die bereits gewalttätig auffällig waren.
Das bringt es exakt auf den Punkt. Umgekehrt hat er nichts belastbares erbracht, dass ihn in ähnlicher Weise entlasten könnte. Da spricht nicht nur die Wahrscheinlichkeit gegen JS.Mr.Stielz schrieb:Söring hat sich vor der Tat, in der Mordnacht und nach der Tat wie der Täter verhalten, er hat wie der Täter gestanden, seine Mittäterin hat ihn als Täter verpfiffen, und die Spuren, die "der wahre Täter" hinterlassen hat, die passen leider auch auf Söring.
Gedurft hätte. Denn gekonnt hat er erst nach den Morden. (Ich meine mich zu erinnern, dass er erstmalig in der Mordnacht konnte, andere hier meinen am Tag der Beerdigung. Ich kann mich irren, müsste nachlesen - am Ende bleibt aber der Fakt, dass er erst danach "seinen Mann stand".)Pippen schrieb:Der Junge war ein Nerd, ein Bürostuhldurchsitzer, ein Boheme, der war hin und weg, dass er mit einer jungen Frau poppen durfte
Richtig.Pippen schrieb:Nochmal: Niemand kann Sörings Unschuld beweisen oder als sehr wahrscheinlich beweisen
Falsch.Pippen schrieb:genauso kann niemand Sörings Schuld beweisen oder als sehr wahrscheinlich beweisen.
Leute wie Söring morden nur theoretisch. Per Brief. Verstehe.Pippen schrieb:Leute wie Söring morden praktisch nie, das sind in der überwältigenden Mehrheit Leute, die bereits gewalttätig auffällig waren.
Juristen und sonstige Laien vernünftigen Denkens (also Deppen). Alles klar.Pippen schrieb:Kein vernünftiger Mensch kann ernsthaft von Söring's Schuld überzeugt sein, niemand!, einfach weil gute Gründe (Indizien) dafür fehlen. Und der schlimmer Fehler von Updike lag darin, dass er glaubte, Indizien zusammenaddieren zu können. Nur Juristen und sonstige Laien vernünftigen Denkens können so dumm sein und damit durchkommen
Das ist nicht dein ernst? Das spricht für ihn als Mensch?HenneM schrieb:Hä? Er hat es doch erwähnt. Außerdem hatte es ihn sehr belastet, dass er wahrscheinlich einen Hund angefahren hatte, was für ihn als Mensch (jedoch nicht als Autofahrer :-) spricht.
Gibt es dafür eine Quelle? Das würde mich sehr interessieren.Pippen schrieb:Durchaus nicht unwahrscheinlich. Es wird leider übersehen, wie oft Selbstbezichtigungen vorkommen, um Andere zu decken.
warum sollte man überhaupt einen tatrelevanten Gegenstand am Tatort hinterlassen? Weshalb sollte Eh einen Lappen in die Waschmaschine schmeissen auf der sich ihr Blut befand, ihre Kleidung , das Messer usw. aber entsorgen?cosmostreamer schrieb:Wenn sich Burton nicht sicher wäre, stände das doch in ihrem Bericht oder? Woher hast Du diese Info? Wenn Du davon ausgehst, dass das Handtuch vor der Waschmaschine hängt oder auf der Arbeitsplatte liegt und das ist, welches Spur "38K" trägt wäre es genauso noch offensichtlicher nah an der Leiche.
Selbst die hier so oft verteufelte Jury hat offensichtlich nicht geglaubt, dass Milchbubi-nerd sein automatisch bedeutet, unschuldig zu sein. Man kann so ein Argument ja anbringen, aber die Indizien wiegen dann doch zum Glück erheblich mehr.das wäre ja noch schöner, wenn man das an äußerlichen Merkmalen festmachen könnte. Das ist einfach nur albern.