Tritonus schrieb:So frequentiert ist der Weg nicht, das Wetter war regnerisch und windig, und selbst die Wanderin befürchtete, dass, wenn sie den Schädel liegen lässt, er in einer halben Stunde nicht mehr da ist.
Warum die dachte, der Schädel könne in kurzer Zeit wieder verschwinden, habe ich nie kappiert. Was meint sie damit, dass Tiere ihn wegschleppen?
Tritonus schrieb:Und die Klamotten 150m weiter weg abzulegen macht in diesem Szenario auch nicht wirklich Sinn.
Meine Idee ist eher, dass der Täter die Leiche mit Kleidung an der Stelle abgelegt hat, wo die Kleider gefunden wurden und Tiere sie danach gefledert und verstreut haben. Der Schädel wurde meiner Meinung nach nicht auf dem Waldweg abgelegt, sondern von Tieren dorthin verschleppt und dann liegen gelassen /verloren. Ich kenne mich mit Waldtieren und Aasfressern nicht aus, könnte mir aber vorstellen, dass die auch Knochen, an denen nur noch extrem wenig bis kein Gewebe mehr hängt, attraktiv finden, weil sie sicher noch nach Aas riechen. Zumindest für deren feine Nasen.
Der Ableger hat halt gehofft, dass die Leiche dort nicht gefunden wird, aber überlegt, dass für den Fall, dass sie doch irgendwann gefunden wird, es so aussehen könnte, dass Emile dort selbständig hingelangt und verunglückt ist.
Tritonus schrieb:Es ist doch aber überhaupt kein Problem (das Wort passt nicht, aber ich weiß kein anderes), das Skelett und die Klamotten eines Zweieinhalbjährigen unauffindbar verschwinden zu lassen. Vermutlich hätte niemand jemals herausbekommen, ob es ein Unfall, Tötung oder ein Verlaufen war. Es sei denn, die Polizei hatte damals schon eindeutige Hinweise auf ein Verbrechen und der Täter wusste oder ahnte das.
Rational überlegt natürlich nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Täter in seinen Übelegungen und Entscheidungen stark emotional beeinflusst war. Klar kann man sich denken, dass wenn die Leiche 9 Monate lang dort nicht aufgefallen ist, das 1. Versteck doch ganz gut gewesen sein muss und er sie doch dort hätte liegen lassen können. Aber das Gefühl, sprichwörtlich eine Leiche "im Keller liegen" oder "im Garten vergraben zu haben" stelle ich mir schon sehr bedrückend vor und kann den Wunsch nachvollziehen, dass man die loswerden will und irgendwo hinschaffen will, wo sie weniger Bezug zu einem selber hat.
Und vielleicht hat er die Chance, ein Fortlaufen, Verlaufen und Verirren zu inszenieren auch als DIE Chance angesehen, dass die Ermittlungen entgülig als "geklärt" eingestellt werden, weil man halt von einem tragischen Unfall ausgeht.
Blaubeeren schrieb:Der Ableger hätte subjektiv zur Einsicht durch die Ankündigung der Mise en Situation gelangen können, dass die Ermittlungsbehörde keine Möglichkeit auslassen wird das Verschwinden des Jungen aufzuklären. Durch die Mise en Situation ging es gefühlt ans Eingemachte.
Der Ableger verstreute möglicherweise selbst die Überreste und Kleidungsbestandteile in der Gegend um ein zufälliges Bild zu erzeugen, als gab sich möglicherweise Mühe das Abllagebild nicht drappiert wirken zu lassen.
Möglicherweise hatte der Ableger auch nicht viel Material mehr zum Ablegen, da Schwund am Erstablageort.
(Es sind nur gedankliche Ansätze. Muss ja so nicht gewesen sein.)
Genau so sehe ich das auch. Wir wissen halt nicht, welche Idee der Ableger mit welcher Handlung verfolgte. Irgendwas wird er sich schon dabei gedacht haben und das muss aus unserere Sicht, die eben zum einen sehr distanziert ist, zum anderen auch nur auf Bruchteilen von Infos beruht und vor allem aber eine Rücksicht (also vom Ergebnis aus zurück auf die Handlung) ist, nicht logisch erscheinen. Trotzdem kann es sich in seiner Situation eben für ihn eben als logischen Schritt dargestellt haben.
Und bedenken muss man auch, dass ein Täter die Situation und die Handlung nur bedingt planen kann. Es kommen immer unvorhergesehener Gegebenheiten dazu, die er nicht einkalkuliert hat und auf die er mit seinen Handlungen reagieren muss: das Gelände ist unzugänglicher als er dachte, das Wetter schlechter, ein Wanderer kommt vorbei. Und das gilt ja auch für die Situation nach der Ablage: Tiere verschleppen die Leiche, die Leiche wird schon kurz darauf gefunden, die Forensik ist besser als er dachte etc.
Wir wissen auch nicht, wie lange vor dem Fund dort abgelegt wurde. Die Ablage muss meiner Meinung nach nicht mal eine Reaktion auf die Ankündigung der Nachstellung gewesen sein, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass diese den Täter aufgeschäucht haben könnte. Vielleicht lag die Leiche dort auch schon ein paar Wochen, was ich auch noch als im Zeitraum von "kurz vorher" von dem der StA gesprochen hat, sehen würde, halt im Vergleich zu "unmittelbar oder kurz nach dem Verschwinden dort hin gelangt".