fassbinder1925 schrieb:Findet ihr es eigentlich nicht langsam komisch, dass jeder Strafverteidiger/Kanzlei, Revisionsspezialist und Gerichtsreporter, der in Deutschland sich bisher je einen Namen gemacht hat (fachlich, nicht durch irgendwelche Formate) sich in einen unseriösen, raffigierigen und publicitygeilen Menschen verwandelt hat, der nebenbei noch entweder verblödet ist oder zumindest alle für blöd verkauft.
Nun ist es natürlich so, dass wir hier als Öffentlichkleit vor allem von den "publicitygeilen" (wie Du es nennst) überhaupt nur was mitbekommen. Man wird also kaum um jedem Strafverteidiger oder Revisionsspezialisten unterstellen wollen, scharf darauf zu sein, sich in der Öffentlichkeit darzustellen. Aber bei einigen sehe ich durchaus die Tendenz und das sind dann eben die, von denen man sehr viel mitbekommt. Ob dieses Selbstmarketing der Befriedigung der eigenen Eitelkeit dient, der indirekten "Werbung" für die eigenen Kanzlei, um weitere Mandanten an Land zu ziehen oder der Erfüllung von Mandantenwünschen, die sich in der Öffentlichkeit kerne als Justizopfer dargestellt wirdden, mag ich nicht beurteilen. Sicher spielen oft alle drei Motive eine Rolle, wahrscheinlich mit jeweils unterschiedlichen Gewichtungen.
Aber diese platte Selbstdarstellung als empörter Robin Hood, der nachts nicht eher wieder ruhigen Schlaf findet, bevor sein unschuldiger Mandant der zum Justizopfer wurde, nehme ich keinem von denen ab. Da wird gerne so getan, als suche man die Öffentlichkeit um auf einen Justizskandal aufmerksam zu machen. Und Justizskandal reicht vielen von denen dann ja nicht, sondern daraus wird dann gerne mal der größte Justizskandal "des Bundeslandes", "seit der Gründung der BRD" oder "if not in the whole country", immer mit ganz viel Empörung in der Stimme.
Natürlich sind dies die Anwälte ihrer Mandanten und damit einseitig, aber gerade ihren aktuellen Fall so aufzublähen und sich zu empören das empfinde ich schon als den Zuhörer, Zuschauer, Leser als für blöde verkaufen. Denn die wenigsten von denen haben sich mit dem jeweiligen Fall beschäftigt und kennen auch die Gegenseite.
Oftmals würde das einfach auch ein paar Nummer niedriger gehen. Es kommt mir oft vor, wie ein Rettungssanitäter, der mit flammenden Worten beschreibt, wie er jemanden aus dem brennenden Auto gezogen, wiederbelebt und ihm mit einem Luftröhrenschnitt per Kugelschreiberhülse das Leben gerettet hat, obwohl der Patient sich in Wirklichkeit nur den Fuß verstaucht hat. Ich will eine Verurteilung wegen Mordes nicht mit einem verstauchten Fuß vergleichen, natürlich steht hier für den Mandanten viel mehr auf dem Spiel, aber mit einer Verurteilung wegen Mordes tut sich sicher kaum ein Richter leicht und es ist eben auch nicht ständig der "gößste Justizskandal" ever.
Tatsächlich sind es doch diese Strafverteidiger, die sich nicht zu schade sind, öffentlich darüber zu raissonieren, wie beschissen andere (Ermittler, Gutachter, StA und Richter) ihren Job machen. Dann müssen sie sich doch wohl gefallen lassen, dass auch mal jemand ihre Arbeit und ihr Auftreten ernsthaft in Frage stellt und kritisch hinterfragt.
Es gibt hunderte Strafverteidiger und sicher auch zahlreiche Revisionsspezialisten. Aber die wenigsten drängen sich derart in die Öffentlichkeit, wie es eine bestimmte Hand voll Anwälte tut, denen man dann in meine Augen auch gerne Pressegeilheit, Eitelkeit und Selbsdarstellungsdrang attestieren darf.
fassbinder1925 schrieb:Vielleicht sollte man schon so ehrlich sein und sich fragen, ob die nicht einfach in einer Position sind, wo man schwerer für Kontroversen sorgen kann.
Und weil das schwer ist, ist jedes Mittel recht?
Und wieso muss man überhaupt öffentlich für Kontroversen sorgen? Der eigentliche Job ist es doch, diese Kontroversen durch einen Revisionsantrag zu verursachen, bei den Leuten, die das dann bald entscheiden müssen.
Was ist denn das Ziel dieser Kontroversen?
Tiergarten schrieb:Das ist legitim, aber durchsichtig.
Einfach nur platt und durchsichtig. Aber eben nur für jemanden, der sich ein bisschen mit dem jeweiligen Fall beschäftigt hat. Jeder andere, der die Doku sieht, verliert doch das Vertrauen ins Justizsystem.