Rotkäppchen schrieb:Vielleicht ist gegenüber dem Freund damals einfach eine Antisymphatie entstanden und er hat sich da hineingesteigert?
Wenn er da ortskundig war, dann wusste er mit Sicherheit durch die damalige Presse und das Gerede der Leute, dass der Mord passiert war, wo man Claudia fand etc.
Kann ja sein, dass er seinen Verdacht, als er noch sehr vage war, z.B. der Verlobten berichtet hat und die gesagt hat: "Der XY?! Ach quatsch, wieso sollte der in Rheinbach ein Mädchen entführen und dann bei Scheuren im Wald ablegen?! Das ist doch gar nicht seine Richtung, da kennt der sich doch gar nicht aus." Und da ist dem Verwandten, nachdem er etwas intensiver darüber nachgedacht hat, halt eingefallen, dass der XY ihn ja schon 2 oder 3 mal zu den Großeltern begleitet hat.
Kennt wahrscheinlich jeder von sich, der es schon mal erlebt hat, dass man sich auch in was reinsteigern kann. Und dann alle Fakten so lange dreht und wendet, bis sie zu der Grundidee passen, selbst wenn sie auf den ersten Blick dagegen sprechen. Und dieser Verwandter scheint ja zumindest eine recht stark ausgeprägte Tendenz zu so etwas zu haben, wenn der 10 Jahre nach dem Abtauchen des Kumpels aus seinem Leben Grundschulkinder im Waffengebrauch trainiert, damit diese im Ernstfall Haus, Frau und Kinder verteidigen können....
Ich finde die Begründung mit den Besuchen bei den Großeltern eh ein bisschen bei den Haaren herbeigezogen. Das besondere an dem Parkplatz und dem Fundort der Leiche war ja, dass der Parkplatz an der Landstraße lag, die Leiche aber ein Stück in den Wald hinein an einem Weg lag und diese Stelle weder vom Parkplatz noch von der Landstrasse aus, einsehbar war. Ich meine in dem XY-Film haben die Komissare am Tatort noch diskutiert, wie weit der Täter da mit einem auto ranfahren kann, oder ob er die Leiche ein Stück getragen oder geschleift hat (bin mir aber nicht mehr 100% sicher).
Woher soll denn der mutmaßliche Täter gewusst haben, dass es an diesem Parkplatz diesen abzweigenden, uneinsehbaren Waldweg gibt? Der war ja von vorbeifahrenden Autos aus gerade nicht einsehbar. Ein paar Mal als Beifahrer an dem Parkplatz vorbeigefahren zu sein, wenn er mit dem Verwandten des Schreibers dessen Großeltern besucht hat, reicht da eigentlich nicht aus um zu erklären, wie der Täter diese gut geeignete Stelle gekannt und gefunden haben soll.
Die beiden waren ja auch keine kleinen Jungen mehr, die an den Wochenende, die sie bei den Großeltern des einen verbracht haben, in der Gegend rumgestromert sind. Sondern junge erwachsene Männer mit Führerschein und eigenen Autos, die entweder am Sonntagnachmittag zum Kaffeetrinken zu den Großeltern gefahren sind oder am Samstag, um denen handwerklich am Haus oder im Garten zu helfen. Ich glaube jedenfalls nicht, dass der Kumpel dabei irgendwelche genaueren Ortskenntnisse der gegend um den Wohnort der Großeltern des Verwandten erworben haben wird.
Und selbst wenn ihm beim Vorbeifahren oder einem Pinkelstopp (der so kurz vor oder nach dem Ziel auch irgendwie unlogisch ist, aber Männer pinkeln manchmal halt lieber in der Pampa als bei Fremden aufs Klo zu gehen) der Parkplatz tatsächlich mal aufgefallen sein sollte, so wäre das doch immer noch kein "bekanntes Terrain", das Top of Mind ist, wenn es um eine gute Ablagemöglichkeit für eine Leiche geht oder um einen Ort, an dem man ungesehen und unbemerkt ein Mädchen missbrauchen kann. Ich würde da eher denken, dass man entweder direkt die erstbeste Gelegenheit nutzt, also den ersten abzweigenden Waldweg, oder sie aber dahin bringt, wo man sich wirklich gut auskennt und man sicher sein kann, dass man eine uneinsehbare, abgelegene Stelle kennt.
Nala-Nyna schrieb:Im "Epos" wird diese Veränderung zwar sehr langatmig, aber auch sehr bildhaft und dadurch sehr nachvollziehbar dargelegt. Dadurch versteht man eher, was gemeint wird und es wirkt glaubhafter als ein einfaches "verhält sich jetzt auffällig anders".
Ja genau. Und es ist gleichzeitig bekannt, dass Lügner dazu neigen, in ihren Geschichten viel zu viel Details zu benennen und einzubauen, eben weil sie bemüht sind, die Geschichte als wahr erscheinen zu lassen. Jemand, der etwas beobachtet hat und die Automarke nicht erkannt hat, sagt halt nur, dass da ein Auto stand. Auf Nachfrage sagt er vielleicht, dass er sich mit Automarken nicht auskennt, da generell nicht drauf achtet und nicht weiß, was es für eine Marke war. Ein Lügner dagegen beschreibt das Auto, das er angeblich gesehen hat, mit ganz vielen Details ("Ein dunkelblauer Ford Taunus mit Stufenheck, chromefarbenen Zierleisten an der Seite und Stahlfelgen, hinten drei Aufkleber, keine Anhängerkupplung und am Spiegel ein Kratzer."), weil er denkt, dass das so glaubwürdiger rüber kommt.
Und genauso kommt mir irgendwie die ganze Geschichte in dem Brief vor. Als habe sich da jemand ausgedacht, wie er an die Infos gekommen ist, warum er sich erst jetzt meldet, warum der mutmaßliche Täter verdächtig ist und warum er eilig wissen will, ob die Polizei DNA zum Abgleich hat.