Cthulhus_call schrieb:aber wir sehen gerade in den USA, wie einfach man Checks and Balances aushebeln kann, wenn man einfach nur beschliesst, sich nicht an die Regeln zu halten.
Ja, das stimmt schon. Irgendwo ist unser System (Parteien und Wahlen) durchaus anfällig für Missbrauch, wie ich weiter oben versuchte darzulegen, und vor diesem Hintergrund hast du natürlich völlig recht. Sieht man ja schon an der ganzen legalen Korruption, die wir staatlich institutionalisiert haben.
Es ist bei ausreichend Unterstützung auf institutioneller Ebene recht einfach, den Staat so auszuhöhlen, dass er nicht mehr funktionsfähig ist, und das wird auch sehr wahrscheinlich bei einer nationalistisch-neoliberalen Ideologie, weil deren Anhänger ja ohnehin einen möglichst schwachen Staat wollen. Neoliberale Religion, die darauf gründet, dass diese Menschen einfach keinen blassen Schimmer davon haben, was die Dynamiken von Macht und Gewalt mit Gesellschaften anstellen, die keinen ausreichend wehrhaften Staat mehr haben, der die Kräfte auffangen und ordnen kann. Das was zB Thukydides in der "Pathologie des Krieges" beschreibt. Für Interessierte hier nachlesbar:
Spoiler https://www.gottwein.de/Grie/thuk/thuk3082.php Tja nun, was machen wir jetzt damit? Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass NUR die Demokratie (und zwar je tiefer und breiter sie Menschen beständig durchdringt, politisiert, sie in echten Kontakt zueinander bringt, direkt an der Wurzel wirkt usw, desto weniger extrem werden sie auch) das Problem lösen kann.
Ob das unsere repräsentative Variante schafft, weiß ich auch nicht. Aus meiner Sicht kommt durch den parlamentarischen Flaschenhals zu wenig vom basisdemokratischen Bürgerwillen oben bei den Entscheidern an, und selbst wenn, dann wird das zu oft ignoriert, weil andere Dinge erstmal wichtiger erscheinen.
Das ist ein Problem, und genau hier fangen immer wieder alle politischen Probleme an. Weite Teile der unteren Klassen fühlen sich nicht gehört, nicht an der Macht beteiligt, nicht ausreichend repräsentiert. Sie verlieren den Glauben ans System, und wenden sich dann solchen Rattenfängern wie der AfD zu, weil sie ein einfaches und durchaus attraktives Angebot machen kann. "Wenn du uns folgst, bist du nicht mehr der unterste Loser, auf den alle nur spucken, sondern der, der die Hütte jetzt mal richtig ausmistet". Wie kriegt man die davon weg?
Gute Politik ist dein Vorschlag, was ich sehr befürworte. Nur wie soll die zustande kommen, wenn sich die Parteien beständig gegenseitig blockieren, bekämpfen, die Massen im Dauerwahlkampf spalten, die Bürger nicht zusammenführen, damit sie gemeinsam an Lösungen arbeiten können, sondern gegeneinander aufhetzen, weil das die innere Logik von Parteien und Wahlen schlicht von ihnen verlangt?
Meine Idee war ja, die AfD auf Landesebene (wo sie den meisten Zuspruch hat, und wenig Schaden anrichten kann) auch mal machen zu lassen, in der Hoffnung, dass sie verkackt, und nicht mehr so viele Stimmen hinter sich versammeln kann. Ist riskant, aber sonst wüsste ich nicht, wie man den Wähler von dort weg locken könnte. Vielmehr sehe ich eben, dass man sie durch das Ausschließen mystifiziert, dass sie einen völlig überflüssigen Märtyrerstatus bekommt, den sie wieder schön in ihrer Opferhaltung ausschlachten kann, und dass sie damit noch stärker wird.
Wenn es zu riskant ist, sie an die Macht zu lassen, was ich durchaus auch sehe und teile, dann bleibt wohl nur die Möglichkeit ihren Wählern starke Zugeständnisse zu machen. Also strikte Einwanderungspolitik um den Konkurrenzdruck raus zu nehmen, mehr soziale Zuwendung für die unteren Klassen, mehr Bildung, usw.. wird das Fritze hinbekommen?
Ich zweifle. Auch er ist der neoliberalen Religion zum Opfer gefallen, und auch er wird nur das alte Aristokraten Spiel spielen, weil sie nichts anderes kennen und können.
Freuen wir uns also auf Rambo-Zambo. Sollte Amerika zerfallen, werden die Wellen über den Teich bis zu uns schwappen, und dann sind solche Kräfte wie die in der AfD ohnehin an der Macht.
An der Stelle bleibt mir nur zu sagen: möge die Macht mit uns sein.
mchomer schrieb:Es ist daher wenig überraschend, dass auch weniger aktive User im Thread den Eindruck gewinnen, dass du versuchst, die AfD zu verteidigen.
Ja, ich hör ja schon auf, sonst glaub ich am Ende noch selbst, dass ich ein Nazi bin.
Nichts für ungut.
.. und wählt die PARTEI, denn sie ist sehr gut.
:melden: Nur sie weiß offenbar, was es mit den Nazis wirklich auf sich hat^^
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