Sterntänzerin schrieb:Ich glaube, heutzutage gibt es die von mir beschriebene Problematik in vielen Fällen gar nicht mehr bzw. nicht mehr in diesem ganz krassen Ausmaß. Schon allein, weil mehr Menschen Urlaub an Orten machen, an denen für uns außergewöhnliche Gerichte "Alltag" sind. Außerdem hat man auch eher mal die Möglichkeit, sowas auch mal privat zu kochen, weil man zumindest, wenn man in der Stadt lebt, die entsprechenden Supermärkte vor der Tür hat und sich ansonsten immerhin die Bestandteile, die nicht gekühlt werden müssen, nach Hause liefern zu lassen.
Das zusätzlich, das ist mir auch klar - und auch die Jahrgänge 1910 - 1940, die selten werden.
Ebenso privat kochen, auch wir kochen (sehr) international. Bezugsmöglichkeiten, außer direkt vor Ort oder liefern lassen, sind übrigens auch - machen wir viel, haben wir auch in Deutschland gemacht - vom Besuch in anderen Städte, größeren Städten mitbringen, etwa aus dem Urlaub oder wenn man anderweitig (z.B. Termin) in eine andere Stadt reist und es sich ausgeht etwas mitzubringen. Wir hatten letztens von so einer Reise - Zutaten hier kaum zu bekommen, in der Hauptstadt jedoch leicht erhältlich - zu zweit einen extra Koffer (groß, 25 kg) mit haltbaren Lebensmitteln dabei.
Dazu kommt dann noch: Heutzutage gibt es mehr Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland - wie viele haben z.B. Freunde, Kommilitonen, Bekannte, einen Partner die im Ausland aufgewachsen sind und entsprechende Speisen werden angeboten. Ich kenne, exemplarisch, die persische Küche inkl. entsprechender Reiszubereitung von meiner Tante.
An einem Arbeitsplatz mit (zugegeben, weit überdurchschnittlich vielen) ausländischen Mitarbeitern - tatsächlich aus dem Ausland angeworben - waren andauernd irgendwelche Begrüßungs-Snacks, Tees, Süßigkeiten, nachgekochte Speisen... am Start.
Und dann eben noch diejenigen, die sie auf Reisen kennenlernen (ich war zwar noch nie auf dem asiatischen Kontinent, aber es ist heutzutage leichter möglich).
Somit: Mehr Menschen dürften ungefähr solche Gerichte kennen. Gerade deshalb (!) wundere ich mich ja auch über Restaurants die nicht wenigstens zusätzlich authentische Gerichte anbieten.
Sterntänzerin schrieb:Natürlich gibt es immer noch bzw. wird es vermutlich auch immer die "Was ich nicht kenne, esse ich nicht" Fraktion geben. Das ist mMn heutzutage aber eher eine Erziehungs- und individuelle Vorliebenssache, weil man eben durchaus Optionen zur Alternative hätte.
Ganz meine Meinung; deshalb hatte ich mich eher über deinen vorherigen Beitrag gewundert, den ich so interpretierte als sei das heutzutage noch so relevant.
Sterntänzerin schrieb:Ich persönlich würde dann auch lieber in ein Restaurant gehen, in dem es etwas ganz anderes gibt, als in einen Laden, der neben authentischer Küche auch Schnitzel serviert. Ich persönlich finde so nämlich immer sehr suspekt und für mich ist das genauso ein Zeichen mangelnder Qualität wie total vollgepackte Speisekarten, weil's einfach enorm danach aussieht, als würden Convenience-Produkte verwendet.
Stimme dir grundsätzlich zu - auch ich gehe viel lieber z.B. in ein indisches Restaurant (oder Szechuan-Restaurant) mit kleiner Speisekarte, als eines das meinetwegen chinesisch, indisch und dann noch Pizza anbietet. Wirkt mir suspekt, und evl. wir dann die Pizza aufgetaut, oder das Chop Suey...
Hierbei jedoch: Dieses Restaurant war bereits - für die iranische Küche - unser Stammrestaurant. Alles frisch, total lecker, es war auch normal bei der Bestellung nach gewünschten Varianten zu fragen. Hauptkundschaft: Iraner. Somit haben wir uns entschieden auch mit unserem Besuch, den Schwiegereltern, dort essen zu gehen unter der Bedingung, auch Schwiegervater findet etwas. Und da war dann eben noch die zweite Karte, für Gäste wie meinen Schwiegervater.
Insgesamt fand ich es auch nicht besonders seltsam, dass ein in Deutschland lebender, im Iran geborener Koch auch eine kleine Auswahl an deutschen Gerichten zubereiten kann, gerade wenn Zutaten überlappend verwendet werden können, z.B. man die Kartoffeln fürs Tahdig auch als Salzkartoffeln oder Pommes machen kann, oder das Hähnchen nicht kleinschneiden sondern als Hähnchenschnitzel.