Grillage schrieb:Fürs Ausland gilt aber doch das gleiche. Menschen in Holland, Norwegen, Portugal oder Polen haben genauso soziale Bindungen und Umfelder wie die Menschen, die im Großraum Hannover leben. Auch hier müsste es mit der gleichen großen Wahrscheinlichkeit eine Vermisstenmeldung geben
Das stimmt, und hinzu kommt ja auch noch, dass die Frau doch aller Wahrscheinlichkeit nicht von heute auf morgen und ohne irgendwem etwas davon zu erzählen, nach D gereist sein wird. Gut, wenn es die unmittelbaren Nachbarländer betrifft vielleicht schon, weil sie da evtl. nur eine "Tagestour" machen wollte.
Aber je größer die Entfernung wird, die man annehmen will, desto wahrscheinlicher ist doch, dass sie jemandem davon erzählt hat. Einfach weil man z. B. aus dem USA ja nicht mal schnell für einen Tag an- und wieder abreisen kann (um jetzt mal bei dem Beispiel mit der Erbin aus den USA zu bleiben). Hinzu kommen bei größerer Entfernung die Kosten, Visa usw. Alles Dinge, die es wahrscheinlicher machen, dass man jemandem von der Reise erzählt.
Vorstellen könnte ich mir da zwei Szenarien:
A): Die Frau hatte nur ein sehr kleines soziales Umfeld und dieses war aus irgendwelchen Gründen ganz froh, dass sie nicht wiederkam (Also z. B. die Frau hat sich mit ihrem Ehemann und ihren Kindern zerstritten, so dass sie ganz froh sind "die los zu sein" oder "ist uns doch egal wo die sich rumtreibt"). Dagegen spricht aber die Erfahrung, dass es doch eigentlich immer auch andere Kontakte gibt, und einer, der die Geschichte nicht glauben mag die vielleicht erzählt wird und Anzeige erstattet, reicht ja schon.
Oder B): Eine ziemlich "Krimi-Mäßige" Story: Sie hatte nur eine enge Bezugsperson und die wusste von der Reise, ist hinterhergereist und hat sie dann umgebracht. Aber auch hier spricht wieder dagegen, dass es in der Regel nicht nur eine Person gibt, die die Verschwundene vermissen müsste.
Klar, es kann in beiden (oder ähnlichen Szenarien) jemanden geben, der die übrigen Bezugspersonen mit einer Geschichte beruhigt.
Aber auch da: Nehmen wir mal an, mein ältester Freund aus der Schulzeit, mit dem ich etwa alle Vierteljahre mal Kontakt habe, meldet sich auf einmal nicht mehr. Seine Frau erklärt mir, sie hätten sich im Bösen getrennt, er wäre abgehauen und sie wüsste nicht, wo er ist.
Dann würde ich aber auf jeden Fall erwarten, dass er sich irgendwann bei mir (ich kannte ihn schon lange bevor er geheiratet hat) meldet wo er jetzt ist und mir die Geschichte der Trennung aus seiner Sicht erzählt. Und wenn das nicht passieren würde, dann würde ich aber ganz bestimmt seine Mutter kontaktieren und sie fragen, was der denn so macht. Und wenn die mir dann auch erzählen würde, sie wüsste nicht was los ist, dann würde ich mir schon Gedanken machen.