Die Doku war sehr interessant, auch wenn es wenig Neues gab. Der Filmemacher ist der Cousin der vermissten "Evi". Er erwähnt zwar auch das Verschwinden der beiden Jungs, aber es werden hauptsächlich Evi und ihre Familie beleuchtet.
Es gibt ein Interview mit Evis Schulfreundin, die sie am Tag des Verschwindens zuletzt in der Kaufhalle an einem Süßwarenstand gesehen hat. Da man aus dem gleichen Dorf, Clausen, stammte, haben sich die Schulkameradinnen gewundert, dass Evi nicht im Bus war. Sie beschreibt den Zeitpunkt des Verschwindens als schrecklich. Ständig wurden die Kinder aus dem Unterricht oder von daheim abgeholt und wieder und wieder verhört. Die Dame sagt, sie fühle sich heute noch schuldig, dass sie nicht zu Evi hingegangen sind. Weinend bricht sie das Interview ab.
Außerdem spricht Karin K., Evis Schwester, die ja auch schon im Forum hier geschrieben hat. Sie hat kaum noch Erinnerungen an Evi, obwohl ihr diese Lesen und Schreiben beigebracht hat. Sie beschreibt die traurige Situation in der Familie nachdem Evi weg war. Die Mutter, die immer versucht hat, alles am Laufen zu halten und den Vater, der depressiv und schließlich tablettensüchtig wurde, der an Evis Verschwinden zerbrochen ist. Karin beschreibt, wie sie stundenlang ziellos Autobahn fährt, eine Art Flucht. Wenn sie als Kind heimkam und sah ein Auto vor der Tür stehen, hat sie erst an der Tür gelauscht, ob jemand weint, aus Angst, Evi wurde evtl. tot aufgefunden.
Evis Bruder spricht ebenfalls, vor allem über seinen Vater, der "seine Prinzessin" (ich meine, so nannte er Evi) verloren hatte. Auch über seine Begegnungen in der Stadt mit Justus, dem damaligen Tatverdächtigen und dass er nie dachte, "das ist jetzt der Mörder meiner Schwester".
Es kommen der Psychiater Dr. Adler, die Frau des damaligen Ermittlers Ernst Fischer (er ist leider bereits verstorben), der Kollege des damaligen Pflichtverteidigers, ein Schulkamerad (Dr. Zimmer, der Justus im übrigen nicht als besonders intelligent einstufte) und - gespielt von Schauspielern- Justus, Ernst Fischer sowie Ermittler Doniat zu Wort.
Dabei wird aus den Ermittlungsakten zitiert (die wirklich "krassen Aussagen" werden meiner Meinung nach nicht angesprochen!) und Erinnerungen an die Zeit mit Justus wiedergegeben. Fr. Fischer z.B. erzählt, dass sie Justus in einer Kneipe kennenlernte, er ihr höflich eine Zigarette anbot. Was war passiert? Justus und Evis Vater trafen in der Nervenklinik Klingenmünster als Patienten aufeinander. Es kam wohl zu Handgreiflichkeiten, daher haben die Ermittler Justus abgeholt, um ihn in einer andere Klinik zu bringen. In der Gaststätte haben sie sich mit Fr. Fischer getroffen, die ihrem Mann frische Kleidung brachte, weil er am WE nicht heim kommen konnte.
Dr. Zimmer (im übrigen meine ehemaliger Bio- und Chemielehrer ;-) ) berichtete, dass Justus Geige spielte und man zusammen musizieren wollte, das aber daraus nichts wurde.
Besonders interessant fand ich die Schlagzeilen der damaligen Presse, alte Zeitungsberichte und eine alte Doku, in der man die Polizisten mit Justus im Wald sah.
Letztendlich wurde Justus ja freigesprochen, auch der Anwalt, der in der Doku spricht, hält ihn nicht für schuldig. Der Filmemacher wohl auch nicht. Die Doku endet mit folgendem Text: In Gedenken an.....die Namen der 3 verschwundenen Kinder und Günter Justus....
Justus ist bereits verstorben, auch sein Altenpfleger kommt in der Doku zu Wort.
Alles in allem eine sehr sehenswerte Doku, die mich berührt hat. Ich würde mir wünschen, so eine Doku gebe es mit noch mehr "Tiefgang", auch zu den anderen beiden verschwundenen Kindern.
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/kaiserslautern/henry-hauck-dreht-film-doku-ueber-vermisste-kinder-aus-pirmasens-in-den-60er-jahren-100.html?at_medium=social&fbclid=IwY2xjawJOFvlleHRuA2FlbQIxMQABHbw82Maeng37Qlxw656S0Z6celzJbyRl17h1XloNmD4uTmCnr7onpDJbCw_aem_IkpZASsySsVXeiG9C_PbLA