Ciaran schrieb:Denkst du, es war früher wirklich so anders?
Ist schwer zu sagen, die Jugendlichen unterscheiden sich ganz sicher nicht, niemand wird blöd geboren. Demnach bleiben nur die äußeren Umstände, die eben dazu führen, dass ein Zehnklässler Probleme mit den Grundrechenarten hat.
Vieles, was man über das Bildungssystem in der DDR sagt, hat sicher seine Berechtigung, aber was die naturwissenschaftliche Ausbildung angeht, bin ich heute unendlich dankbar, diese durchlaufen zu haben. Mathematik, Physik, Chemie und sogar Biologie war trotz der schlechteren Rahmenbedingungen damals ungleich anspruchsvoller als heute. Damals war auch noch nicht alles so voll gepackt wie heute, man konnte sich auf die Grundlagen konzentrieren, und zwar so, dass auch was bei hängen blieb. Nach dem, was ich so mitbekomme, ist der Unterricht heute stundenmäßig viel zu knapp bemessen, und man versucht von allem ein bisschen reinzupacken, aber dafür nix richtig.
Ich lege natürlich sehr viel wert auf den Lösungsweg. Das Erkennen einer Problematik, also wie komme ich mit den gegebenen Werten zu einer Lösung, welche Regeln, Gesetze, etc. pp kann ich anwenden. Und genau das vermisse ich in der schulischen Ausbildung, die Kinder werden mit Spezialwissen zugeschissen, und kapieren simpelste Ansätze zur Lösungsfindung nicht. Ich habe mit ansehen müssen, wie 2 Zehnklässler über einem Gleichungssystem mit 2 Unbekannten saßen, und keine Ahnung hatten, wie sie das auflösen können. So was darf es heutzutage nicht geben! Wie kommen die in eine zehnte Klasse? Verdammt noch mal, haben Lehrer heutzutage keine Berufsehre mehr?
Und ja, das war früher wirklich anders. Wir hatten auch dumme Kinder dabei, aber das wussten die auch von selbst, und es war klar, die hören in der 8. Klasse auf, und gehen in die Landwirtschaft (damals brauchte man zum melken keinen BWL-Abschluß)
:D.
Ich habe mehrere Nichten, die alle studiert haben. Eine kam mal in der 12.Klasse mit der Hausaufgabe nach Hause, sie solle herausfinden, was ihre Eltern früher für Musik gehört haben. Was soll der Scheiß?
Direkt nach der Wende haben wir mal Verwandte besucht, einer büffelte gerade für seine Meisterprüfung. Mein Vater fragte interessesiert, mit was er sich denn gerade befasst. Darauf hin meinte er, die binomischen Formeln kann er sich einfach nicht merken. Mein Vater hat sie ohne groß nachzudenken wie aus der Pistole geschossen aufgesagt, und er war fast 40 Jahre aus der Schule raus.
Gut, das mag jetzt nicht repräsentativ sein, aber ein paar Aussagen zu den Schulsystemen lässt es sicher zu. Und ich bin mir sicher, hier gibt es genügend User, die ähnliche Beispiele bringen könnten. Fakt ist, die Kinder sind heute nicht dümmer als damals, es ist das System, was fehlerhaft ist. Etwas mehr von dem verpöhnten "Frontalunterricht", mehr Grundlagenwissen, weniger Spezialwissen, und das Erkennen und Finden von Lösungswegen pauken, von mir aus bis zum Erbrechen, dann bleiben den Schülern später einmal viele Peinlichkeiten erspart.