sacredheart schrieb am 02.03.2025:Wow, was für ein Beitrag. Wäre es wikipedia, würde er schnell für Exzellenz vorgeschlagen.
Danke sehr.
Ich werd hoffentlich weiterhin erfolgreich möglichst objektiv und respektvoll mit dem Thema umgehen, erleichtert Diskussionen grundsätzlich.
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Was wahrscheinlich immer schlecht ist, aber was vorkommt:
Nach langen Jahren, wenn eine Beziehung bröckelt, will einer von beiden plötzlich eine Öffnung der Beziehung, weil er oder sie jemand anderen vögeln möchte. Der oder die andere stimmt irgendwie zu mit der Idee, die Beziehung unbedingt aufrecht erhalten zu wollen. Das ist dann kein wirkliches Einvernehmen. Und es führt meist zu nichts Gutem.
Ich wage sogar zu behaupten, dass bei solch einem Konstrukt nie was Gutes rauskommt bzw allenfalls in einem "One in a million - Zufall".
Grundsätzlich sind solche Beziehungen etwas bei dem üblicherweise langfristig beide Partner besser dran sind die Beziehung los zulassen.
"Löcher" die in der Beziehung entstehen mit Dingen zu stopfen die grundsätzlich nur in einer absolut gesunden Beziehung überhaupt funktionieren können ist eine ganz üble Falle.
Auch wenn "Lass uns die Beziehung durch Fremdvögeln retten" nur das zweitübelste Szenario ist.
Der weit schlimmere Fall ist wenn solch ein Pärchen dann auf die glorreiche Idee kommt das ein Baby die Beziehung kitten soll..
Der (zum Scheitern verurteilte) Versuch die Beziehung durch sexuelle "Abwechslung" zu retten hat wenigstens nur erwachsene Opfer.. Kinder für sowas zu benutzen hingegen sehe ich als Kindesmisshandlung an.
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Allerdings sind Menschen sehr unterschiedlich und messen sexueller Exklusivität unterschiedliche Bedeutung bei.
Nicht nur der sexuellen Exklusivität, sondern auch der Bedeutung von Sexualität im Allgemeinen.
Das mein damaliger Partner und ich die Wichtigkeit von Sexualität vollkommen unterschiedlich bewertet haben hat zu einem erheblichen Teil zum Scheitern der Beziehung beigetragen.
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Dass zwei Menschen gleichsinnig denken und das nicht als conditio sine qua non betrachten, dürfte wohl eher die Ausnahme als die Regel sein.
Das ist korrekt.
Jemanden zu treffen der wirklich gleich denkt, fühlt und tickt... DAS ist ein Riesenglück mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit.
Glücklicherweise reicht es sowohl bei Freundschaften als auch Liebesbeziehungen, wenn das Denken und Fühlen in einem "gemeinsamen Spektrum mit möglichst großer Anzahl an Schnittmengen" liegt wobei eine Liebesbeziehung ein engeres Spektrum und mehr Schnittmengen benötigt als Freundschaften und Freundschaften mehr als Bekanntschaften.
Das ist aber ja keineswegs nur ein Thema wenn es um eine offene Beziehung geht.
Auch in einer monogamen Beziehung muss man sich einig sein wie die "Grenzen dieser Monogamie" definiert sind, die Vorstellungen bewegen sich ja auch hier in einem nicht grade engem Spektrum.
Dazu kommen dann noch andere Dinge bei denen man "hinreichend gleich" denken muss, Familienplanung, religiöse Aktivität, Urlaube, Auswandern, Arbeitstier oder Freizeittyp.... usw usf.
In den meisten Beziehungen muss man es gemeinsam über Hürden schaffen, die weit höher sind als die verhältnismäßig einfache Frage "monogam oder offen?"
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Und dann müssen die anderen Sexualpartner ja auch noch ähnlich denken, sonst geht das auch schief.
Zumindest ähnlich genug, das ist zumindest nen Vorteil.
Für mich ist daher eine Beziehung in der ein oder gar beide Partner irgendwelche "Randos" in Bars aufreißen schon in der Vorstellung ein absoluter Alptraum.
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Das sind ja auch Menschen mit Gefühlen. Selbst wenn das Paar so denkt, bringt ein Außenstehender, der das nicht tut, ein Gleichgewicht durcheinander.
Stell ich mir auch schwierig vor.
Aber passiert sowieso nicht, ich (geht meinem Mann genauso) mag zwar mal jemanden anschauen und denken "Jup, hübscher, attraktiver Mensch."
Aber damit ich es auch nur beurteilen kann ob ich jemanden sexuell anziehend finde... DAS braucht richtig Zeit und dazu muss ich die Person kennen.
Wie oft eine offene Beziehung "glatt läuft" wenn ein oder beide Partner sich irgendwelche One-Night-Stands ins Bett holen kann ich nicht beurteilen, ich kenne niemanden der das so macht, stell ich mir anstrengend vor.
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Freut mich für Dich, wenn das klappt, könnte es mir für mich und meine Frau aber nicht vorstellen.
Dann ist es für Dich und Deine Frau schlicht und ergreifend falsch.
So einfach seh ich das,
Wie bei Beziehungs"arten" (da gibt es ja weit mehr als die Frage "offen oder nicht"?) und vielen anderen Dingen die man im Leben so oder so halten kann weiß jeder (der gelernt hat auf sich selbst zu hören und das scheint mir bei Dir der Fall zu sein) am Besten selbst was für ihn richtig und gesund ist und da sollte man sich auch meiner Ansicht nach am Besten gar nicht von außen groß beeinflussen lassen, wenn nicht aus dem einzig "validem" Grund, dass man SELBST den Eindruck hat man möchte seinen Horizont oder wie man das auch nennen will erweitern.
Und betrifft die Entscheidung nicht nur mich sondern auch jemanden der mir nahesteht, dann muss der das ebenso sehen.
Es gibt durchaus Dinge bei denen es gesund und erfreulich sein kann sie nur dem Partner zu liebe mal auszuprobieren aber die Frage ob man eine Beziehung offen oder monogam lebt gehört mal ganz sicher nicht dazu.
Luminita schrieb am 02.03.2025:Ich finde das total interessant, da gibt es ja oft gar keinen „common ground“ und auch wenig Verständnis. Sind die Leute so unsicher oder woran liegt das nur?
Meiner Einschätzung nach liegt das weit weniger am Thema selbst sondern mehr an Grundsätzlichkeiten wie Erziehung bzw wie man generell damit umgeht wenn man mit Menschen zu tun hat die etwas bei dem man selbst seine "Entscheidung" was sich richtig anfühlt getroffen hat völlig anders betrachten.
Ich hatte einfach das unglaublich große Glück, dass meine Ziehmutter mir sehr früh beigebracht hat anderer Leute Meinungen genauso zu respektieren, wie ich meine Eigene respektiert wissen möchte.
Außerdem hat sie mir den "heiligen Dreisatz der gesunden Diskussion" beigebracht:
1. Es gibt keine "Wahrheit", es gibt Fakten und die lassen sich objektiv belegen und nur dann sind es Fakten
2. Erfahrungen sind real aber Individuell, habe ich eine bestimmte Erfahrung gemacht dann muss ich dennoch stets daran denken, dass andere Leute eine vergleichbare Situation komplett anders erlebt haben können und deren Erfahrung nicht weniger wichtig ist als meine.
3. Meinungen, die sind immer individuell, gleichwertig und es gibt keine "richtigen oder falschen Meinungen"
Verschiedene Erfahrungshintergründe und Standpunkte führen dazu, dass unterschiedliche Menschen aus identischen Fakten verschiedene Schlüsse ziehen und sich eine unterschiedliche Meinung bilden.
Meine Ziehmutter hat es halt geschafft zu erreichen, dass ich anderer Leute Weltanschauungen eher spannend finde als es persönlich zu nehmen, wenn sie von meinen Eigenen abweichen.
Nicht jeder hatte das Glück das so zu lernen und nicht jeder ist überhaupt dazu bereit zu verstehen, dass einzuräumen, dass andere Meinungen ebenfalls ihre Daseinsberechtigung haben die Eigene keineswegs invalidiert.
Und grade bei Themen wie diesem, die sehr emotional sind, grade weil sicherlich viele die hier schreiben ihren Standpunkt auch u.A. auf sehr schmerzhafte Erfahrungen aufgebaut haben....
Da kommt die Objektivität und die Freude am Verständnis anderer Ansichten eben nicht uneingeladen zur Party sondern muss bewusst eingeladen und mitgebracht werden.
Luminita schrieb am 02.03.2025:Vielleicht sollte man es so handhaben wie im Job. Erst ein ausführliches Bewerbungsgespräch, dann eine Probezeit und regelmäßige Zielgespräche. :P:
So ähnlich
:)Allerdings... Gefühle können kompliziert sein.
Zwei Menschen können sich ineinander verlieben und dann stellen sie in einem solchem Gespräch fest, dass sie _eigentlich gar nicht zusammen passen...
Wer kanns ihnen verdenken, wenn sie es dann trotzdem versuchen...
Leider kann Liebe nicht alles bezwingen...manchmal findet sich vielleicht ein Kompromiss der glatt genug ist dass eine gesunde Beziehung möglich ist, manchmal ändern Menschen ihre Standpunkte..
Man kann durchaus zusammenwachsen, aber vermutlich nur, wenn beiden klar ist, dass solch eine Beziehung bei der es so richtig grundsätzliche "Unstimmigkeiten" zu überwinden gilt nicht "billig" daher kommt.
Luminita schrieb am 02.03.2025:Und, klare Kommunikation an einer Stelle ermöglicht oft deutlich klarere Kommunikation auch an anderen Stellen. Wenn ich gewöhnt bin, über alles zu sprechen, dann sag ich auch bei den alltäglichen Themen viel schneller, was mich stört oder wo das Problem liegt.
Exakt.
Das ist aber eine "Errungenschaft" die ich nicht als "Frucht der offenen Beziehung" beanspruchen möchte.
Es mag die Voraussetzung für eine offene Beziehung sein und daher "natürlicher" daher kommen wenn beide Partner wirklich wollen dass die Beziehung hält.
Aber ich kenne auch monogame Paare die wunderbare Beziehungen führen und die basieren ebenfalls mindestens zu erheblichen Teilen darauf, dass stets offen miteinander kommuniziert wird.
paxito schrieb am 02.03.2025:Am Ende ist aber eine verpflichtend monogame Beziehung, eine echte Partnerschaft ohne Eifersucht, deutlich stressfreier als offene Beziehungen. Ich hatte beides, ich glaube ich darf mir da ein Urteil erlauben.
Sicher darfst Du das.
Allerdings wie bei Erfahrungen üblich eben in dem "Rahmen", dass man nicht vergisst, dass andere Menschen auch andere Erfahrungen machen können.
Bei mir z.B. wars genau umgekehrt.
Meine erste feste Beziehung war monogam, weil "man das halt so macht" und u.A. weil mein Partner und ich bei all den wunderschönen Gemeinsamkeiten auch Unterschiede hatten war in dieser Beziehung die Monogamie tatsächlich ein erheblicher Stressfaktor und das nicht etwa weil wir nicht Beide für den jeweils Anderen nur das Beste wollten, sondern weil mein Partner es nicht geschafft hat das was er eigentlich wirklich wollte so zu "sortieren" und zu gewichten das es für mich ebenfalls zum Vorteil war, was es hätte sein können.
Letztlich war dies für mich einer der Gründe warum ich dachte ich sei gar nicht beziehungsfähig.
Als ich dann jemanden kennenlernte, der das völlig auf den Kopf stellte und (für ihn auch unerwartet und ungewollt) es uns einfach zusammenzog wie eine Naturgewalt..
Da war ich erleichtert, dass wir uns von Anfang an sowohl einig waren, dass 1. Monogamie für uns nicht wichtig ist und 2. Sexualität generell keine große Rolle für uns spielt.
Und für mich und meinen Mann stellt dieses Einverständnis (natürlich zusammen mit zahlreichen anderen Gemeinsamkeiten) eine sehr stressfreie und entspannte Beziehung sicher.
So krass unterschiedlich können Erfahrungen eben sein und die Schlüsse die man draus zieht.
paxito schrieb am 02.03.2025:Es braucht kein komplex miteinander ausgehandeltes Regelwerk das auch noch konstant nachjustiert werden muss, da die meisten Regeln implizit durch unsere Gesellschaft vorgegeben werden.
So einfach ist es ja aber nu auch wieder nicht.
Das beweist ja bereits die Existenz dieses Threads.
Die Frage "Ab wann beginnt Fremdgehen für Euch?" richtet sich vermutlich in erster Linie nicht an Menschen die eine offene Beziehung führen.
Sondern zeigt wie extrem unterschiedlich viele Menschen den Begriff "Treue/Untreue" definieren und das auch ein monogames Paar in den meisten Fällen irgendwann in der Beziehung an den Punkt kommt an dem über diese Grenzen gesprochen und ein Regelwerk "ausgehandelt" wird.
Andernfalls läuft man Gefahr, dass man den Partner verletzt, weil man unterschiedliche Auffassungen von dieser Grenze hat und nicht nur in diesem Thread sondern auch in der Realität sehe ich da oft sehr gewaltige Unterschiede.
Wie
@sooma ja so schön zusammengefasst hat:
sooma schrieb am 02.03.2025:Die Diskussion hat ja gezeigt, wie unterschiedlich die Empfindungen sein können: für manche ist schon der Gedanke Betrug, andere sind für einen kleinen Flirt nicht böse, wieder andere haben da wenig bis keine Eifersucht und Besitzdenken.
Und auch wenn Begriffe wie "Eifersucht" und "Besitzdenken" tendenziell polarisieren können und dies einer Diskussion wie dieser nicht immer positiv in die Hände spielt, bleibt die Aussage, dass auch und grade monogame Menschen oft SEHR unterschiedliche Vorstellungen davon haben was bereits als Untreue zu werten ist ja einfach mal unberührt.
Bei Menschen die sagen "Fremdgehen fängt doch schon im Kopf/in Gedanken an." frage ich mich recht oft, wie sie generell jemandem hinreichend vertrauen können.
Und eine Beziehung zwischen jemandem der sich schon betrogen fühlt wenn der Partner jemanden falsch anlächelt und jemandem der einen engen Freund durchaus zur Begrüßung fest in den Arm nimmt und auch mal Zeit ohne den Partner verbringen möchte...
so eine Beziehung stelle ich mir extrem stressig und "konflikteinladend" vor selbst wenn beide Partner ohne wenn und aber die Ansicht teilen, dass sexuelle Interaktionen mit jemand anders absolut tabu sind und auch gar nicht das Verlangen danach empfinden.
sooma schrieb am 02.03.2025:Man lebt also monogam aus ... Bequemlichkeit? :D Okey, das kann ich für mich als Argument gelten lassen.
Och um ehrlich zu sein, das ist gar kein so schlechter Grund.
Würde nicht in unserem engerem Freundeskreis gelegentlich jemand sein der in Frage kommt und sich dann noch eine Gelegenheit ergeben, dann wären mein Mann und ich auch "Monogam aus Bequemlichkeit" einfach weil wir dann monogam leben würden, weil keiner von uns loszieht um sich was aufzureißen und wir ganz sicher auch keine getrennten Treffen mit gemeinsamen freunden planen nur um uns potentiell auch im Bett wälzen zu können.
Da wären wir einander dann doch lieber genug (und sind es die meiste Zeit ja auch).
teardrop. schrieb am 02.03.2025:kannst du nochmal kurz erklären, ob du damit meinst, dass die anderen es sich nicht vorstellen wollen oder grundsätzlich keine nichtmonogame Beziehung wollen?
Ich meine ausschließlich die Vorstellung bzw die Bereitschaft eine offene Beziehung ebenfalls als vollwertige Liebesbeziehung zu sehen (und andersrum auch eine monogame Beziehung als gemeinsame Entscheidung und nicht als "Gefängnis um die Eifersucht draußen zu halten).
Wer sich welche Beziehungsform für sich selbst vorstellen kann geht mich nichts an und es steht mir auch unter keinen Umständen zu anderer Leute Beziehungen zu "bewerten" (bis auf eine sehr spezielle und konkrete Ausnahme die hier aber keine Rolle spielt).
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Das finde ich für die Diskussion nämlich schon wichtig.
Das ist es auch, tut mir leid, dass ich mich da unklar ausgedrückt habe.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Ein bisschen stört mich an dieser Diskussion, dass der Eindruck entsteht, monogam wäre die altbackene Form von Beziehungsverständnis und "offene Beziehung" der neue heiße, progressive Scheiß, den die meisten einfach nur deshalb ablehnen, weil sie zu unflexibel in ihrem Denken und auch sonst eher konservativ und alteingefahrenen Denkmustern verhaftet sind.
Solch einen Eindruck möchte ich keineswegs vermitteln.
In einer Beziehung geht es darum gemeinsam glücklich zu sein, nicht darum dem aktuellem Trend zu folgen oder anderer Leute Vorstellungen zu erfüllen.
Allerdings erwarte ich im "Gegenzug" auch, dass Beziehungen nicht abgewertet werden nur weil sie nicht monogam sind, das ist genauso respektlos wie die Behauptung Monogamie sei nur ein altmodisches Zwangskostüm für Leute die nicht wissen was cool ist.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Die Frage ist doch vielmehr, weshalb muss man denn überhaupt (zumindest im Denken) von sich die Vorstellung als "in einer Beziehung lebend" haben, bzw. nach außen verteidigen, wenn man das gleiche Ergebnis auch als Single in wechselnden Partnerschaften haben könnte?
Das finde ich z.B. bereits etwas unglücklich formuliert.
Abzüglich des Details, dass es für meinen Mann und mich in Ordnung ist wenn der andere auch mal sexuellen Kontakt zu jemand anderem hat ist unsere Beziehung doch eben genau das: eine Liebesbeziehung die einfach mal keine Freundschaft ist und auch kein Singledasein.
Ich kenne z.B. auch komplett asexuelle Paare.
Sprichst Du denen auch ab eine Liebesbeziehung zu führen, weil sie nicht 1-2x pro Woche Sex haben?
Ich hab es schon erlebt, dass asexuelle Paare mit solchen Bewertungen abgetan wurden.
Genau das meine ich auch, wenn ich sage, dass viele Leute wenn sie sich eine offene Beziehung vorstellen sexuelle Aktivität maßlos überbewerten. Sowohl ob sie mit anderen Partnern stattfindet oder gar nicht.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Das sehe ich genau so, bzw. handhabe ich ebenso wie du, und trotzdem möchte ich keine offene Beziehung, einfach aus dem Grund, weil in einer Beziehung nicht allein meine Sicht der Dinge zählt, sondern auch die eines anderen Menschen, und der (selbst wenn er es nicht sagt), doch vielleicht Angst hat, ich könnte fremdgehen (was ich tatsächlich nie tun würde).
Eine offene Beziehung beruht ja auch nicht auf der Sicht einer einzigen Person, sondern auf dem Einverständnis derer die beteiligt sind.
Massenweise Entscheidungen in jeder Beziehung richten sich nach beiden Partnern, zumindest in einer gesunden Beziehung.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Andererseits denke ich aber auch hier, dass man auch hier vorsichtig sein muss: Wenn du von "Konkurrenz" schreibst, ist dir ja durchaus die Gefahr bewusst, dass die Person, mit der du in einer Beziehung bist, bzw. eine anstrebst, das so empfinden könnte.
Exakt, zumindest habe ich das so erlebt.
Interessanter Weise ausgerechnet in einer monogamen Beziehung die ich meinem Partner zuliebe "einseitig geöffnet" hatte.
Also ihm war es "erlaubt" sich sexuell außerhalb der Beziehung umzutun, weil ich seinem "Trieb" nicht gerecht werden konnte/wollte.
Das klingt nun weit schlimmer als es war. Wir waren beide jung und er hatte einen völlig normalen Sexualtrieb, während meiner schon immer eher unter der Norm war und ich zu der Zeit auch einfach so viel Stress hatte, das es mir tatsächlich nicht nur völlig recht sondern aktiv lieber war, wenn er sich anderweitig "vergnügte" und ich dieses Thema betreffend "meine Ruhe" hatte bzw mich nicht dauernd mies fühlen musste weil ich ihn "hungern" lasse.
Ich habe kein Konzept von "Eifersucht" bis auf das Wissen, dass es für viele Leute real und schmerzhaft ist von daher hielt ich dies für die Lösung.
Leider war er wiederum extrem eifersüchtig, sogar wider besseren Wissens.
Wenn ich mal bei jemand anders übernachtet habe ist er daheim die Wände hochgelaufen.
Wir konnten zwar offen reden (u.A. hat die Beziehung auch deswegen damals für unser Alter recht lange gehalten und war die meiste Zeit wirklich schön) aber das hilft wenig weiter, wenn er dann nur sagt "Ich weiß ja selbst nicht warum mich das so wahnsinnig macht.. Ich WEISS Du bist nicht da, weil Du den "lieber magst als mich", ich weiß, dass Du nicht mit ihm ins Bett gehst obwohl es nur fair wär, wenn das für mich in Ordnung wär, da Du mir das ja gewährst und eigentlich weiß ich auch, dass Du mich liebst und nicht für jemand anders verlassen wirst und trotzdem nagt das an mir".
Das erschien mir schon ein Stück weit wie "Konkurrenz-Angst".
Es wurde mit der Zeit besser und getrennt haben wir uns nicht deswegen, sondern weil wir uns irgendwann einfach auseinandergelebt haben (bzw damals darf man eher noch sagen "in verschiedene Richtungen erwachsen geworden sind" und irgendwann einfach die Gemeinsamkeiten die Differenzen nicht mehr eingeholt haben..
Aber es war für ihn Stress und da ich ihn ja wirklich geliebt hab war es für mich automatisch auch Stress, denn wer fühlt sich schon wohl damit, wenn es dem Menschen den man liebt wegen etwas das ich tue (bzw eben ab und zu tun musste) nicht gut geht.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Weshalb also auch hier nicht sagen, okay, mir ist beides gleich wichtig, und weil das so ist, mache ich eben keinen Unterschied zwischen Freundschaft/Freundschaft plus (oder was auch immer)/Beziehung?
Na in meinem Fall aus dem ganz einfachem Grund, dass eine Freundschaft wurscht ob mit oder ohne plus einfach auf einer anderen Ebene stattfindet als meine Beziehung/Ehe.
Andere Grundlagen, andere Ansprüche aneinander,
Also die völlig normalen Gründe warum es die Differenzierung zwischen "Bekanntschaft", "Freundschaft" und "Beziehung" gibt.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Warum immer dieses Label "offene Beziehung"?
Weil das eben der Schuh ist der passt.
Ich bin in einer festen Beziehung mit dem Partner mit dem ich mein Leben teilen möchte und daran ändert die Tatsache dass wir nicht zwangsläufig sexuell exklusiv sind genau gar nichts.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Das suggeriert dann doch eine Bindung, die darüber hinaus geht, als "nur" Freundschaft
Natürlich, weil dem ja auch so ist.
So "heilig" und wichtig mir Freundschaft ist, aber die Bindung zu meinem Mann ist eben nochmal eine ganz andere Sache.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Ich meine, beim Konzept "offene Beziehung" geht man hier zu sehr davon aus, dass die Menschen super reflektiert sind (zum Einen), zum Anderen dann auch noch total offen darüber reden können. Das mag bei euch der Fall sein (und das finde ich echt bewundernswert, und meine das im Übrigen total unironisch), aber, ich fürchte, das trifft nicht auf jeden zu.
Natürlich ist das nicht jeder und jeder, der nicht gut in Sachen Selbstreflexion ist sollte tunlichst daran arbeiten, denn meiner Erfahrung nach ist Selbstreflexion immer wichtig, sowohl um mit sich selbst zufrieden zu sein, als auch im Umgang mit jedem anderem Menschen, vorausgesetzt man hat zum Ziel Anderen so wenig wie möglich auf die Füße zu trampeln, wovon ich einfach mal bei den meisten Menschen ausgehe.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Klar, kann man dann sagen, was kann man selbst dafür, wenn der Andere es nicht schafft, seine Bedenken zu artikulieren, aber das wäre für mich persönlich auch schon wieder zu egoistisch gedacht.
Das kommt meiner Ansicht nach auf eine ganze Reihe von zusätzlichen Faktoren an.
Sicher achte auch ich so gut es geht auf nonverbale Kommunikation meiner Mitmenschen, aber ich bin darin nicht unbedingt großartig.
Jeder der mir wirklich nahesteht weiß also:
Wenn man will, dass mich eine Botschaft WIRKLICH erreicht: dann SAGS mir und verlass Dich bitte nicht darauf, dass es mir gelingt Deine Gedanken zu lesen, denn das gehört nicht zu meinen Begabungen.
Ich finde auch, dass das ganz großartig zusammenspielt, wenn jeder sich zwar alle Mühe gibt so merken, wenn jemand anders was auf dem Herzen hat, aber wenn gleichsam jeder der irgendwas wirklich geklärt haben möchte auch seine Eigenverantwortung wahrnimmt es ab einem selbst gewähltem Punkt einfach deutlich anzusprechen.
Bzw generell bereit sein über das was man ausdrücken möchte zu reden.
Wenn ich z.B. bei irgendwem (egal ob entfernter Bekannter, Familie oder Freund) den Eindruck hab, dass irgendwas "raus will" und nachfrage, dann kann ich mit Antworten wie "Kannst Du Dir das nicht denken?" nichts anfangen, denn ich frag doch um Missverständnisse möglichst auszuschließen und dazu eignet sich ein offenes Gespräch grundsätzlich besser als blindes "Was will mein Gegenüber Ratespielchen".
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Und, ich denke, man sollte auch nicht die Gefahr verkennen, was auf dem Spiel steht: Was macht man, wenn man sich selbst (oder der Andere) sich wirklich ernsthaft verliebt und dann doch dieses offene Beziehungsmodell nicht mehr möchte?
Da ist dann Kommunikation gefragt.
Sollte sich jemand in mich verlieben und sich eigentlich wünschen eine Liebesbeziehung mit mir einzugehen, dann wird diese Person das im Idealfall ansprechen und dann kann man das besprechen und festlegen welche Grenzen man setzt damit möglichst wenig emotionaler Schaden entsteht.
Das ist aber in einer monogamen Beziehung ja nicht anders.
Wir sind eine soziale Spezies, neue Menschen treten in unser Leben, sei es beruflich oder durch gemeinsame Freunde.
Sich in jemanden zu verlieben der bereits einen Partner hat kann immer mal vorkommen und dabei lässt sich emotionaler Schmerz stets nur so gering wie möglich halten, aber nie ausschließen.
Offene Kommunikation und Rücksichtnahme sind hier das a und o.
Aber auch wenn sowas passiert und dann immer unschön ist wäre es doch ein schlechter Grund einen "Deckel" auf jede zwischenmenschliche Interaktion zu machen nur weil man sich in einer festen Beziehung befindet.
Freundschaften entwickeln sich weiter, manchmal leider eben einseitig und neue Menschen die in unser Leben treten könnten sich wünschen einen als Single kennengelernt zu haben.. ich halte das für einen schlechten Grund alle anderen Kontakte einzufrieren oder zu limitieren nur weil auch eine monogame Beziehung davor doch keinesfalls sicher ist.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Ist man wirklich dafür bereit?
Nope.
Und jeder meiner Freunde (wurscht ob das nun jemand ist mit dem auch intim was möglich wäre oder nicht) weiß, dass ich nicht "zu haben" bin, sondern mich in einer festen Partnerschaft befinde die ich für nichts und niemanden aufgeben würde.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Das hast du super formuliert und ich würde es auch so direkt so unterschreiben, wenn du nicht von der "großen Liebe" gesprochen hättest.
Dann lassen wir eben außen vor, dass nicht jeder an "die große Liebe" glaubt.
Habe ich ja zugegebener Maßen selbst nicht, selbst noch eine kleine Weile nicht obwohl sie vor mir stand und ich da eben wie viele Leute einige "Ängste" überwinden musste ehe ich das was ich gefunden habe als das angenommen habe was es eben ist.
Heute bin ich natürlich heilfroh nicht weggelaufen zu sein, aber die Überlegung war da, allerdings kenne ich das von sehr vielen Leuten die es ganz genauso erlebt haben.
Nur hatte ich zusätzlich das Glück, dass mein Partner schneller verstanden hat was da vor uns liegt, wenn wir nur den Mut haben "zuzugreifen" ...
Er hat mir verziehen (bzw war nie sauer) als ich zu Beginn einmal mit einer Lüge die ich für notwendig hielt versucht haben davon zu laufen (das erste und letzte Mal, dass ich ihn belogen habe) und mir mit dem nötigem aber respektvollem "Zwang" gezeigt, dass sich unsere Leben jetzt nun einmal geändert haben.. das es möglich ist und sich lohnt die Gewohnheit mit allem was schwer und unangenehm ist allein fertig werden zu wollen bzw zu glauben das dies so sein müsse.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Wie genau lebst du denn dann diese große Liebe?
Längere Abhandlungen darüber überlasse ich den Philosophen und Poeten.
:) Vielleicht auch weil es für mich als überzeugte Wissenschaftlerin und extrem rational und faktenbasiert denkendem Menschen immer noch ein wenig "gruselig" ist zu akzeptieren, dass das einfach etwas ist, dass ich nicht rationalisieren oder in einer Checkliste aufgliedern kann.
Im Grunde aber wohl wenig überraschend: es gibt keinen Aspekt des Lebens mehr, der nicht mit diesem einen Menschen geteilt wird...
Zuerst plant man eine gemeinsame Zukunft.. und dann muss man feststellen, dass alle Wünsche und Träume die ich je hatte und von denen ich immer dachte sie/das streben danach seien "mein Leben" jede Bedeutung verlieren, wenn ich mich traue mir vorzustellen wie eine "Zukunft" wohl aussähe ohne diesen Menschen an meiner Seite.
So Vieles von dem ich dachte, dass es bedingungslos Teil meiner Persönlichkeit ist wird verhandelbar oder gar bedeutungslos, solange nur diese Person an meiner Seite ist...
Solange ich mit diesem Menschen zusammen bin muss ich mich nie wieder "darum sorgen" in irgendeiner Weise "zu kurz" zu kommen, denn das tut er für mich, wie ich es mit der gleichen Selbstverständlichkeit für ihn tue.
Egal wie schlimm manch ein Tag verlaufen kann... da ist jemand in dessen Armen ist immer alles "gut" oder zumindest "gut genug und wird wieder besser werden".
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Denn dann wird ja jeder, den du in deine offene Beziehung dazuholst, eben genau diese eine große Liebe nicht sein ... oder machst du da keinen Unterschied?
"Jemanden dazuholen" ist generell eine komische Bezeichnung.
Die mag passen für Leute die gleichwertige Beziehungen mit mehr als einer Person zugleich führen, aber damit kenn ich mich nicht wirklich aus, das wär nichts für mich.
Mein Mann haben den gleichen Freundeskreis. Bis auf wenige Ausnahmen und (die sind dann üblicher Weise beruflich bedingt und sobald sie sich von einer "Bekanntschaft" zur "Freundschaft" entwickeln geraten sie im Grunde zwangsläufig auch in den "Dunstkreis" des jeweils Anderen.
Und wer uns zusammen kennt, der weiß wie wir stehen.
Meine Freunde sind mir wichtig und den einen oder anderen lieb ich auch, wie Familienmitglieder.
Aber die Liebe die eine Liebesbeziehung ausmacht und auch zu einem erheblichen Teil von Freundschaften unterscheidet, das ist für mich was exklusives bei dem ich persönlich mir nicht vorstellen kann dass ich das "aufteilen" könnte, was nicht bedeutet, dass dies für andere Leute nicht sehr wohl machbar ist.
Ich kenn auch ein "Paar" die zu dritt echt happy sind, bzw eigentlich zu viert, denn der kleine Sohn ist grad in dem Alter in dem er nicht aufhören kann damit "anzugeben", dass er ZWEI Papas hat und ebenso wie seine Mutter sehe ich auch bei dem Kleinen nicht, dass er einen Unterschied macht, also einen Papa lieber hat als den anderen.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:Zusammenfassend und ganz nüchtern betrachtet, könnte man damit eine offene Beziehung auch als eine Beziehungsform ansehen, in der man gemeinsam das Fremdgehen aus der Schmuddelecke herausgeholt und mit einem ethisch-moralischen Regelwerk versehen hat, zum Zwecke der Unterstützungsfunktion der Primärbeziehung (ist jetzt bewusst etwas provokant formuliert).
So provokant find ich das eigentlich gar nicht und im Grunde trifft es das Ganze sogar recht gut auf den Kopf:
Wir räumen dieses "tabu" zu Beginn der Beziehung aus dem Weg um uns dann um all die Aspekten einer Beziehung zu widmen die uns beiden weit wichtiger sind als Sexualität.
Wie ich bereits schrieb sind mein Mann und ich auch nicht das einzige mir bekannte Paar, dass diese Vereinbarung trifft ohne das irgendwie "geplant" ist davon je überhaupt "Gebrauch" zu machen geschweige denn eine Gewohnheit oder gar Alltäglichkeit draus zu machen.
teardrop. schrieb am 02.03.2025:"Verpflichtend" finde ich hier ganz schwierig. Monogam "verpflichtet" doch in diesem Sinne zu nichts, man lebt das freiwillig.
Ich denke, dass man sich auch freiwillig zu etwas verpflichten kann und das in einer Beziehung die "in Guten und in Schlechten Zeiten" Bestand haben soll auch tun muss.
Muss nicht "Monogamie" sein, aber ich denke, in jeder ernsten, beständigen Beziehung gibt es gemeinsame Nenner auf die man sich bei sich selbst und dem Anderen in dem Umfang verlassen können muss, dass daraus durchaus "Verpflichtungen" bestehen.
zaramanda schrieb am 02.03.2025:Ich hab für mich da auch die Grenze wenn jemand in einer Beziehung ist, kommt derjenige nicht in Frage.
Dem schließe ich mich an und da sind mein Mann und ich uns auch absolut einig, intime Kontakte zu Menschen die ihrerseits vergeben sind kommen ausnahmslos nicht in Frage.
zaramanda schrieb am 02.03.2025:Ich gehe nicht zwischen zwei Menschen.
Das halte ich für eine sehr gesunde Entscheidung. Selbst wenn ich beide Partner gut kenne...
Ich kann in mich hereinschauen und soweit es bei einem anderen Menschen überhaupt geht in meinen Mann aber definitiv nicht in andere Menschen und es passiert eben leider auch, dass jemand einer offenen Beziehung "zustimmt" obwohl derjenige damit unglücklich ist.
Ich möchte niemals Quelle dieses Unglücks sein und zugegebenermaßen hat das zusätzlich den egoistischen Aspekt, dass ich mich dem Drama das aus sowas entstehen kann nicht aussetzen möchte.
Dazu kommt, dass für mich sowieso keine "Fremden" als potentielle intime Partner in Frage kommen sondern ausschließlich Menschen zu denen eine solide Freundschaft besteht und sowas wäre eine potentielle Gefahr für diese Freundschaften und da Freunde nicht auf Bäumen wachsen wäre es mir das Risiko niemals wert.
zaramanda schrieb am 02.03.2025:Natürlich sagen nicht alle dass sie in einer Beziehung sind.
Da sind schon einige Leute die ich kenne drauf reingefallen und das lief keineswegs immer schön ab.
Genauso wie diese "Ach die Beziehung ist ja eh am Bröckeln Ausreden".
Ein Grund mehr für mich mich auf Menschen zu beschränken die ich gut und lange kenne und bei denen die Freundschaft im Vordergrund steht.
zaramanda schrieb am 02.03.2025:Woher weiß ich dann ob derjenige mich nicht auch so hintergeht? Iwann mal..
Ich würd eher vermuten, dass man bei solchen Leuten eher die Uhr danach stellen können, DASS sie einen hintergehen werden.
Wer es mit einem Menschen tut bei dem habe ich keine Gründe anzunehmen, dass er dann plötzlich seinen Sinn für Loyalität entdeckt wenn es um mich geht.
zaramanda schrieb am 02.03.2025:So jemanden möcht ich garnicht in meinem Leben.
Das ist aus meiner Sicht auch das Gesündeste.
Es gibt so viele wirklich tolle Menschen, warum Zeit und Energie mit denen vertrödeln die sich bereits selbst disqualifizieren.
"Gleich und Gleich gesellt sich gern" und Menschen die meinen sich durch Lügen Vorteile ganz egal welcher Art zu verschaffen sollen mal schön unter sich bleiben, in meinem Leben ist für sie ebenfalls kein Platz.
Luminita schrieb am 02.03.2025:Die Frage ist doch eher, warum kann die eine Seite die jeweils andere immer nur sehr schwer nachvollziehen?
Man _könnte_ hier sicherlich zumindest in einigen Fällen unterstellen, dass manche Leute ihre persönlichen Moralvorstellungen etwas zu wichtig nehmen und sich dagegen sperren anzuerkennen, dass es auch Standpunkte gibt die ebenfalls solide und keineswegs moralisch verwerflich sind nur weil sie anders sind.
Aber wem würde es nützen sich sowas gegenseitig an den Kopp zu klatschen zumal man sowas ja auch stets nur vermuten und nie sicher wissen kann.
Ich erkläre mir das eher mit: "fehlgeleiteter Empathie".
Also damit, dass jemand seine eigenen Ansichten/Moralvorstellungen unbewusst in jemand anders rein"interpretiert" und dann die Aussage, dass derjenige jedoch anders handelt diese Person nur zu dem Schluss, dass das Handeln somit unmoralisch sein muss kommen KANN.
Das dürfte sogar zu erheblichen Teilen unbewusst ablaufen.
Das Problem gibt es ja nicht nur bei der Frage der Beziehungsform, sondern bei so vielen Themen.
Je emotionaler und bedeutsamer das Thema, desto fundierter ist jeder bei der Definition seiner Ideale.
Da ist es für mich gut verständlich, dass es nicht jedem leicht fällt oder manchen Leuten gar unmöglich ist sich vorzustellen, dass andere Menschen in diesem Punkt bei dem man für sich selbst SO sicher entschieden hat was "richtig" und was "falsch" ist völlig anders ticken könnten.
Ich hab dieses "Problem" grundsätzlich nicht, weil ich bestenfalls zu kognitiver Empathie fähig bin, nicht aber zu emotionaler.
Daher habe ich es hier sehr viel einfacher als viele andere Leute, weil es mir generell fern liegt meine eigenen Gefühle und Standpunkte in Andere hereinzudichten.
Folglich kann ich ganz unbedarft damit umgehen, dass viele Leute in Beziehungsformen/-konstellationen glücklich sind und einander lieben und respektieren, selbst wenn ich mir die jeweilige Lebensweise für mich selbst nie vorstellen könnte.
sooma schrieb am 02.03.2025:Ich glaub' auch, dass die Vorstellung von einer offenen Beziehung oft eher überbordernd und recht ... phantasievoll ist, nicht den realen Alltag und im Zweifelsfall eher eigene, nicht ausgelebte Bedürfnisse beschreibt.
Den Eindruck habe ich hier bei sehr vielen Posts allerdings auch.
Das in sehr vielen Köpfen eine "offene Beziehung" dieses schlüpfrige Gebilde ist bei dem zwei Personen zwar irgendwie zusammen sein wollen aber entweder gar keine Lust haben eine feste Bindung einzugehen und sich daher mehrere Ofen heiß halten oder derart wild darauf sind alles was attraktiv erscheint zu bespringen, dass sie es sich offen halten wollen ständig durch die Bars zu ziehen und flach zu legen was immer bei drei nicht aufm Baum ist
;)Es tut mir beinahe ein bisschen leid, das sowohl ich als auch andere "nichtmonogame" Paare in meinem Freundes- und Bekanntenkreis eine so große Enttäuschung für dieses "schlüpfrige erotische Phantasiebild" sein müssen.
Nur um das mal in Perspektive zu setzen:
Mein Mann und ich sind seit 24 Jahren ein Paar und seit 19 Jahren verheiratet.
In dieser Zeit hatten wir jeweils genau zwei andere Menschen mit denen wir intim waren/sind.
Obwohl wir unsere Beziehung einvernehmlich als "offen" begonnen haben, gab es den ersten sexuellen Kontakt außerhalb der Beziehung nach (lass ich rechnen) 12 Jahren.
Obwohl theoretisch von Anfang an "offen" haben wir also länger "monogam" gelebt als die meisten Beziehungen ganz gleich welcher Bauweise überhaupt auch nur bestehen bleiben.
Auch gab und gibt es Zeiten in denen mein Mann und ich miteinander nicht intim sind, sei es mal aus gesundheitlichen Gründen oder weil wir beide wie bereits beschrieben Sexualität im Allgemeinen so wenig Bedeutung beimessen, dass es schon fast an Asexualität grenzt.
Also soviel zu dem Mythos das offene Beziehungen was für bindungsgestörte Nymphomane sei.
:)Es ist oft so langweilig das auch klingt "nur" etwas das entsteht wenn zwei (oder mehr) sich finden die den Fokus auf andere Aspekte der Beziehung legen als auf die Exklusivität sexueller Begegnungen.
Ich kenne auch Paare die sich auf eine offene Beziehung einigen und dann für die gesamte Dauer der Beziehung nicht einmal davon "Gebrauch" machen.
Vielleicht sind es eher die Menschen die der Ansicht sind sie könnten beurteilen, dass eine offene Beziehung ja unmöglich eine "echte Liebesbeziehung" sein kann die der Sexualität eine "überhöhte" Bedeutung zusprechen.
Immerhin sieht man auch monogame Beziehungen zerbrechen, weil sich "im Bett etwas ändert" aus welchen Gründen auch immer.
Eine Sorge bei der ich unglaublich froh bin sie nie haben zu müssen.
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Ich wüsste schon zeitlich nicht, wie ich das schaffen könnte, wenn es für Person 2 mehr sein soll als: Rein, rauf, runter, raus. Und das alleine würde ich nicht wollen.
Auf die Gefahr hin eine dämliche Frage zu stellen:
Aber wie handhabst Du Freundschaften oder Aktivitäten (Hobbies usw) ?
Gibt es gar nichts was Du und Deine Frau aus welchen Gründen auch immer getrennt unternehmen?
Ich mein, ich kenn das nur allzu gut. Mein Mann und ich neigen definitiv dazu "zuviel" aufeinander zu hängen und wir versuchen uns zumindest ab und an dazu zu zwingen auch mal was ohne den anderen zu unternehmen.
Allerdings ist die Seltenheit dieser Vorkommnisse nicht dem Umstand geschuldet, dass die Zeit fehlt, sondern dass wir uns schwer tun Zeit getrennt zu verbringen, die wir auch zusammen sein könnten.
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Das wäre ja doch etwas anders, wenn zB jeden zweiten Dienstag der Enrico bei uns anklingeln würde, wenn ich bei der Arbeit wäre oder die Nadine jeden 3. Mittwoch im Motel um 18 Uhr warten würde.
Ich will nicht ausschließen, dass es offene Beziehungen gibt bei denen das so abläuft aber mir persönlich ist keine bekannt.
Ehrlich gesagt klingt DAS eher nach dem Muster das ich bei Fremdgängern beobachte, die sich offiziell in monogamen Beziehungen befinden.
sooma schrieb am 02.03.2025:Genau das meinte ich mit unrealen, stark sexualisierten Vorstellungen, die offene Beziehungen und Polyamorie auch gern mal abwerten. Wieso wartet Nadine denn im "Motel"? Warum nicht entspannt bei ihr zuhause mit leckerem Essen? ;)
Exakt.
Oder wie in meinem Fall wartet er nicht mit dem Essen, denn ich fahr ja hin weil wir so gern zusammen kochen, fernsehen, schnacken und an kleinen Projekten rumbasteln.
Mich mit jemandem zu verabreden "um Sex zu haben" klingt irgendwie schon wie Zeitverschwendung.
Wie hier ja bereits angemerkt wurde ist Lebens- und explizit Freizeit begrenzt, diese Zeit investiere ich nur in Leute mit denen ich ganz genauso Lust hätte Zeit zu verbringen wenn die Möglichkeit auch intim zu werden nicht bestünde bzw irgendwann nicht mehr weil derjenige seinerseits einen Partner findet.
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Singlefrau Nadine, die mit mir 2 oder 5 tolle Abende pro Monat hat und sich emotional nie mehr wünscht, als ich ihr geben möchte oder gar ihrerseits Exklusivität halte ich für vorstellbar, aber nicht für sehr wahrscheinlich.
Und wenn Nadine entweder generell gern Single ist ODER Dich zwar sehr mag und super gern Zeit mit Dir verbringt ihr für "mehr als Freundschaft" aber sowieso gar nicht genug gemeinsam habt?
sacredheart schrieb am 02.03.2025:Die Nadine will Weihnachten, Valentinstag, Jahresurlaub und Familienfeiern unbedingt alleine verbringen und ist mit einer kurzen Sprachnachricht zufrieden? Dauerhaft?
Warum sollte Nadine kein eigenes soziales Umfeld haben, keine Familie, keine Freunde mit denen sie die Zeit, die sie nicht gern für sich alleine hat verbringt?
Und was genau sollte Nadine davon abhalten in dem Teil ihres Lebens der ohne Dich stattfindet irgendwann selbst einen Partner zu finden?
Ich wünsche mir das für den momentan einzigen Freund in meinem Leben mit dem ich gelegentlich sexuellen Kontakt habe.
Viel würde sich nicht ändern, primär, dass ein wirklich großartiger Mensch hoffentlich auch seine große Liebe findet, die wenn ich dann zu besuch komme mitkocht, sich mit uns zusammen vollfrisst, eigene Gesprächsthemen einbringt und natürlich auch Mitspracherecht bei der Filmauswahl hat.
Klar, die Option mit ihm Sex zu haben würde dann wegfallen aber zum Einen macht das eh einen extrem geringen Teil unserer gemeinsamen Zeit aus und zum Anderen ist es jemand der mir am Herzen liegt, da versteht es sich von selbst, dass ich per Definition happy bin wenn dieser Mensch sein Glück findet.
sooma schrieb am 02.03.2025:Da gebe ich Dir recht. Für eine offene Beziehung ist eine offene Kommunikation mit allen Beteiligten das A und O, meine ich. Das war hier auch immer Konsens, wenn ich das richtig verstanden habe.
Ich denke, dass ohne offene Kommunikation auch monogame Beziehungen keinen Aussicht auf Erfolg haben.
Zum Einen weil wie hier deutlich wird auch ein Paar bei dem für beide nichts anderes als Monogamie in Frage kommt klären müssen was genau das für sie ganz persönlich beinhaltet und ausschließt und zum Anderen weil Sexualität grundsätzlich nur einer von zahlreichen Faktoren ist die darüber entscheiden ob eine Beziehung glücklich und "erfolgreich" ist und so ziemlich alle diese Faktoren bedürfen der offenen Kommunikation miteinander.