@klausbaerbel
Auf ebay würde man ganz bestimmt einen hohen Auktionspreis für das originale Bordbuch bekommen.
Kolumbus verfasste das Bordbuch nicht für sich selbst, sondern für das spanische Herrscherpaar. So konnte er die Welt „der Indien“ wirksamer beschreiben, als dies in mündlicher Form möglich gewesen wäre. Als Kolumbus nach seiner erfolgreichen Rückkehr huldvoll von Ferdinand und Isabella empfangen wurde, überreichte er am Königshof auch die Urschrift seines Bordbuchs. Davon fertigte ein Hofschreiber sofort eine Kopie an, die Kolumbus noch vor seiner zweiten Ausfahrt ausgehändigt wurde. Diese Kopie muss irgendwann dem Dominikanermönch Las Casas in die Hände gefallen sein, der sich darangemacht hatte, seine umfangreiche „Historia de las Indias“ zu schreiben. Dazu zitierte Las Casas das komplette Bordbuch, und zwar in indirekter wie auch direkter Rede. So sind gerade die entscheidenden Textauszüge über die eigentliche „Entdeckung Amerikas“ als wörtliche Abschrift überliefert.
Das Bordbuch der ersten Fahrt
Das Bordbuch, das Christoph Columbus auf seiner ersten Fahrt nach Amerika führte, gehört zu den wichtigsten Dokumenten der Schifffahrts- und Entdeckungsgeschichte. Dank dieser Aufzeichnung, die allerdings nur in einer von Bartolome de las Casas überarbeiteten Form vorliegt, sind die Einzelheiten der Entdeckungsfahrt wie bei keiner anderen bekannt. Columbus hat peinlich genau Buch über die zurückgelegten Strecken geführt, hat die Stimmung an Bord festgehalten, hat die von ihm entdeckten Inseln beschrieben und, als unbeabsichtiger Nebeneffekt, der Nachwelt Einblicke in seine Psyche gegeben.
Das digitale Bordbuch in dieser Form ist eine Übertragung der 1941 erschienenen Übersetzung durch Dr. Anton Zahorsky, © by Rascher Verlag Zürich.

Der entscheidende Auszug daraus:
Donnerstag und Freitag, 11. und 12. Oktober
Als erster erspähte dieses Land ein Matrose, der Rodrigo da Triana hieß, wiewohl ich um 10 Uhr nachts vom Aufbau des Hinterschiffes aus ein Licht bemerkt hatte. Ob zwar das schimmernde Licht so undeutlich war, dass ich es nicht wagte, es als Land zu bezeichnen, so rief ich dennoch Pietro Gutierrez, den Truchseß des Königs, um ihm zu sagen, daß ich ein Licht zu sehen glaubte, und bat ihn, es sich anzusehen, was jener auch tat und es tatsächlich auch sah. Desgleichen benachrichtigte ich Rodrigo Sanchez di Segovia, den der König und die Königin als Beobachter der Armada zugeteilt hatten. Dieser vermochte aber nichts zu erblicken, da er von seinem Standpunkt aus nichts sehen konnte. Nachdem ich meine Beobachtung gemeldet hatte, sah man das Licht ein-, zweimal auf scheinen; es sah so aus, als würde man eine kleine Wachskerze auf- und niederbewegen, was wohl in den Augen der wenigsten als Anzeichen nahen Landes gegolten hätte - allein ich war fest davon überzeugt, mich in der Nähe des Landes zu befinden.
http://www.ewetel.net/~norbert.fiks/columbus/bordbuch/bordbuch.htm