http://www.tagesspiegel.de/berlin/franziskaner-kirche-in-mitte-getoeteter-israeli-aus-kirchenruine-ist-identifiziert/11610184.htmlZITAT]Der junge Mann, der am Ostersonntag in der Kirchenruine an der Littenstraße in Mitte tot aufgefunden wurde, ist identifiziert. Es handelt sich um den 22-jährigen Israeli Yosi Damari. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen. Kurz vor seinem Tod suchte er Hilfe bei der Botschaft seines Heimatlandes.
Die Identität des jungen Mannes, der am Ostersonntag in der Kirchenruine an der Littenstraße in Mitte getötet aufgefunden wurde, ist inzwischen geklärt. Es handelt sich um den 22-jährigen israelischen Staatsangehörigen Yosi Damari. Erste Hinweise auf seine Identität ergaben sich durch einen beim Leichnam aufgefundenen Reisepass. In Zusammenarbeit mit der israelischen Botschaft in Berlin konnte die Polizei die Identität des Leichnams durch einen DNA-Abgleich heute zweifelsfrei feststellen.
Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass die Tat bereits am Ostersamstag, 4. April 2015, zwischen 17 und 21 Uhr verübt wurde.
Der Leichenfundort soll auch der Ort des Verbrechens sein. Zu den Tathintergründen liegen noch keine Erkenntnisse vor. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen und sucht nach Zeugen. Yosi Damari war am vergangenen Freitag beim Jüdischen Bildungszentrum Chabad Lubawitsch in Mitte erschienen und hatte gesagt, dass er nichts zu essen habe und keinen Schlafplatz. Dies sagte Rabbiner Yehuda Teichtal dem Tagesspiegel am Mittwoch. Auch suchte er Hilfe bei der Botschaft seines Heimatlandes. Der junge Mann sei am Karfreitag zu der Vertretung gekommen, nach bisherigen Erkenntnissen wegen finanzieller und technischer Probleme, sagte die Sprecherin der Botschaft Israels am Donnerstag. Der Getötete sei schon länger in Deutschland gewesen, aber erst
seit Kurzem in Berlin.
Das veröffentlichte Foto der Polizei des 22-jährigen israelischen Staatsangehörigen Yosi Damari. Sie sucht nach Zeugen.Bild vergrößern
Das veröffentlichte Foto der Polizei des 22-jährigen israelischen Staatsangehörigen Yosi Damari. Sie sucht nach Zeugen. - Foto: Polizei Berlin
Am Sonntag war der Leichnam des jungen Mannes in der Klosterruine an der Grunerstraße unweit des Roten Rathauses gefunden worden.
Eine Polizeisprecherin hatte zuvor lediglich bestätigt, dass bei der Leiche ein Pass gefunden wurde. Ob dieser dem Opfer gehörte, habe wegen dessen schwerer Verletzungen jedoch noch nicht festgestellt werden können. Die Polizei hatte wie üblich bei ausländischen Toten die Botschaft informiert, in diesem Fall um Vermittlung einer DNA-Vergleichsprobe gebeten.
Nachricht hat sich auch in Israel und den USA verbreitet
Nach Angaben von Rabbiner Teichtal hätten Mitarbeiter den Hilfesuchenden am Freitag eingeladen, am Abend zum Pessach-Fest in die Gemeinde zu kommen, dort könne er essen. Zudem habe man ihm den Rat gegeben, früher nach Israel zurückzukehren. Er sei wohl erst kurz in der Stadt gewesen, Gepäck habe er nicht bei sich gehabt. Der Mann habe ganz normal gewirkt, sagte Teichtal. Es sei nicht ungewöhnlich, dass junge israelische Touristen in der Gemeinde um Hilfe nachsuchen.
Die Nachricht aus Berlin wurde am Mittwoch auch von Zeitungen aus Israel und den USA verbreitet. „Israeli in Berlin totgeschlagen“, titelte die israelische Zeitung „Haaretz“ in ihrer Online-Ausgabe. Sie berichtet unter Berufung auf Konsul Eyal Siso, dass sich der junge Mann am Freitag mit einem „technischen" Problem an die Botschaft gewandt und um finanzielle Hilfe gebeten habe. Ein Vorfall, den es in der Botschaft wohl wöchentlich gäbe. Die Botschaft habe daher mit der Familie telefoniert und dem Mann Hoteladressen gegeben. Der Konsul soll in dem Interview gesagt haben, dass er mit der Polizei gesprochen habe. Zwar könnte derzeit noch nichts bestätigt werden, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Tat nationalistisch oder antisemitisch motiviert war, sei gering. Man gehe wohl von einem kriminellen Hintergrund aus.
Gemeinschaftsunterkunft wurde ihm vermittelt
Die „New York Times“ veröffentlichte einen Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press, in der ebenfalls Rabbi Teichtal zitiert wurde. Ein weiterer Rabbi habe dem Hilfesuchenden einen Schlafplatz in einer Gemeinschaftsunterkunft unweit des Alexanderplatzes vermittelt – nur wenige hundert Meter vom späteren Fundort der Leiche entfernt. „Wir haben alles für ihn arrangiert, aber er ist nicht wieder gekommen“, wird Teichtal zitiert. Und dann erklärt die „New York Times“ ihren Lesern noch, dass Berlin als einstige Hauptstadt des Nazi-Reiches inzwischen zu einem populären Ziel für israelische Touristen geworden sei. Zwischen 20 000 und 30 000 Israelis seien in den vergangenen Jahren hier hergezogen, meist Jüngere.
Die Leiche war am Sonntagmorgen hinter den Mauern der historischen Ruine entdeckt worden. Der Backsteinbau zwischen Litten- und Klosterstraße ist ein Ort abseits, aber mitten im Zentrum. Rathaus- und Fernsehturm markieren den Horizont. Clubs am Alexanderplatz, vor denen 2012 der 20-jährige Jonny K. totgetreten wurde, sind nah. An dem Bauzaun, der längs der breiten Grunerstraße archäologisches Terrain absperrt, hängen Schock-Plakate der „Berliner Stadtmusikanten“, die „Drogen-Transparenz“ fordern. Die umzäunte, von einem Förderverein bespielte Ruine soll ab 15. April zum Saisonstart wieder geöffnet werden, einsehbar ist sie jetzt schon. Im Kirchenschiff steht eine gesichtslose Skulptur.
Das Umfeld der Ruine
Zur Nachbarschaft des Tatorts Ruine gehören an der Littenstraße der neobarocke Landgerichtsbau und Berlins ältestes Lokal „Zur letzten Instanz“ von 1621. Auf der Klosterstraßen-Seite befinden sich ein U-Bahneingang und der Kastenbau am Eck, Nr. 44: ein Freies Atelierhaus, ein Szene-Refugium für Theater und Kunst. Von hier aus hat man einen Ausblick auf die Ruine. An der Fassade rostet Metall, verdrecken Steinplatten, verschmieren Scheiben.
Neben der Ruine stehen drei Skulpturen. Eine Jahreszahl, 1978, ist an der „Pietá, gewidmet den Lebenden“ angebracht. Am 3. April 1945 war Berlins schönste gotische Basilika zerstört worden, von „anglo-amerikanischen Bombern“, wie eine Zeittafel dokumentiert. Dort wird auch vermerkt, dass Reste der allerersten Feldsteinkirche von 1250 an der Nordwand zu sehen sind; dass im 18. Jahrhundert das Graue Kloster ein „Zentrum deutsch-russischer Beziehungen“ gewesen sei und während der Befreiungskriege ein Lehrort für Turnvater Jahn. Auf den Stufen, die zum Kirchenportal herabführen, liegen modrige Blätter, Scherben, ein leeres Jägermeisterfläschchen, ein Arbeiterhandschuh. Passanten schlendern zum Tatort, reden darüber. Eine Baustelle lärmt, der Verkehr rauscht. Am Ostersonntag sehr früh mag es hier ziemlich still gewesen sein.
Die Fragen der Mordkommission:
- Wer kannte das Opfer und kann Angaben zu seinem Aufenthalt in Berlin machen?
- Wer hat am Ostersamstag zwischen 17 und 21 Uhr im Bereich der Kirchenruine in der Littenstraße oder Umgebung verdächtige Wahrnehmungen gemacht?
- Wer kann sonst sachdienliche Angaben machen?
Hinweise nehmen die Ermittler der 6. Mordkommission des Landeskriminalamtes Berlin in der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Telefonnummer 030 / 4664 - 911 666 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.
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