Deutsche Literaturgeschichte-Metzler

2019 erschien bereits die neunte Auflage dieser einbändigen Geschichte der deutschen/deutschsprachigen Literatur, wobei aus der Schweiz und Österreich nur die bedeutendsten Vertreter:innen vorgestellt werden. Grundsätzlich ist es ein Problem, 1200 Jahre Literatur auf etwa 800 Seiten Fließtext zu komprimieren. Es finden sich selbstverständlich interessante Informationen auch zur Entwicklung des Buchmarktes über die Jahrhunderte, andererseits hinterlässt die Lektüre den Eindruck einer kommentierten Bibliographie. Also: Nennung von Buchtiteln mit einer thematischen Einordnung. Für einen Überblick brauchbar, tiefgehendere Informationen finden sich aber in umfangreicheren Werken oder Spezialuntersuchungen.

Eine der für mich neuen Informationen war zum Beispiel, dass bereits im Mittelalter das Kopieren von literarischen Werken im Vergleich zu Sachliteratur, auch wenn oft religiös, einen nur geringen Teil der Handschriftenproduktion ausmachte.

Auch zum ersten Mal lese ich über die finanziellen Verhältnisse von Autoren im 18. Jahrhundert. Buchhandel gab es damals nicht, sondern Bücher wurden subskribiert und ungebunden versendet oder gar nur auf Buchmessen angeboten. Gebundene Bücher bot erstmals der Hamburger Buchhändler Perthes im Jahr 1820 an. Öffentliche Bibliotheken führten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts nur wissenschaftliche Werke, keinerlei Dichtung oder Belletristik. Viele Werke auch der Klassiker waren lange Zeit mehr oder weniger nicht erreichbar. Zumindest die Zahl der Buchhandlungen nahm ab 1820 stetig zu. Die Zahl der Leser:innen wird Anfang des 19. Jahrhunderts auf 5 % der etwa 23 Millionen Menschen umfassenden Bevölkerung geschätzt. Die Zahl der Leser ist heutzutage viel höher, wenn auch für 2013 ein Rückgang konstatiert wird, der 2018 im Börsenblatt bestätigt wird.

Die Auflagenhöhe betrug im 18. Jahrhundert bei Top-Autoren 3000 Stück, Goethe schaffte es auf eine Erstauflagenhöhe von 4000. Honorar wurde nach Bogen (= 16 Seiten) bezahlt. Von ihren Werken konnten selbst Klopstock, Wieland oder Lessing nicht leben. Nur manche Werke verkauften sich so gut, dass das Honorar etwa einem Beamtenjahresgehalt entsprach. Nur: auch diese Autoren hatten nicht jedes Jahr ein Einkommen in dieser Höhe. Wer also nicht selbst über ein Vermögen verfügen konnte, musste einen Brotberuf suchen. Der schwierigste und undankbarste war wohl der des Hofmeisters (Hauslehrers bei adeligen oder reichen bürgerlichen Familien).

Wie viele Titel wurden jährlich neu auf den Markt gebracht? 1740 waren es 755, 1800 waren es 2569 (derzeit schwankt die Anzahl zwischen 60.000 und 80.000 alleine in Deutschland).

Sehr grotesk ist diese zeitgenössische Darstellung einer Ballettszene von der Prinzentaufe in Stuttgart aus dem Jahr 1616:

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